German 342: German Literature
Oregon State University
March 10, 1998


Fanny LeWald (1811-1889)

von Shirley Stockton

 Fanny LeWald wurde im Jahre 1811 in dem jüdischen Mittelstand in Königsberg geboren. Ihr Vater, Kaufmann Markus, nahm später den Namen LeWald an. Sie sagte, daß ihr Großvater die Familie Itzig und die Familie Ephraim verband. Die zwei Familien wohnten in Berlin und arbeiteten für den berühmten Friedrich den Großen. Sie schrieb darüber in ihrer Autobiographie: "My father's family was somehow related to the Itzig and Ephraim families in Berlin, whom Fredrich the Great used for his finance operations" (Lewis 233).

Er gab seiner Tochter den Namen LeWald. Fanny hatte eine ausgezeichnete Bildung, die im Vergleich zu anderen Frauen viel besser war. Sie war aber nicht glücklich über ihre Bildung, weil ihre Brüder alles besser hatten. 1828 liess sie sich taufen, aber aus einem sozialen Grund, nicht aus Überzeugung: Sie lebte in der Zeit, in der das Deutsche Reich entstand und in der Zeit, in der die Deutschen die Politik Kanzler Bismarcks erlebten. Die deutsche jüdische Gemeinde gewann damals bedeutendes Recht und mehr Freiheit, aber eine tiefe, anwachsende Antipathie gegen die Juden blieb immer noch. Fanny LeWald nahm also im Jahre 1828 eine andere Religion an, um einen jungen Theologen zu heiraten, aber er starb vor dem Hochzeitstag.

Danach reiste LeWald nach Italien ohne andere Mitglieder der Familie. In Rom lernte sie eine gebildete deutsche Frauengruppe kennen. Adele Schopenhauer, Goethes Schwester, und Ottilie von Goethe, die Schwester Arthur Schopenhauser, waren zwei dieser Frauen. Sie waren schon bekannte Autorinnen. 1845, während sie in Italien wohnte, lernte sie auch Adolf Stahr kennen. Er hatte eine Frau und fünf Kinder, aber er war sehr unglücklich mit seinem Leben. Adolf und Fanny lebten zusammen und heirateten bald nach seiner Ehescheidung im Jahre 1854. Sie wohnten in Berlin und reisten oft nach Frankreich, auf die britischen Inseln, nach Itailien und in die Schweiz. Fanny schrieb viele Reisebücher über die politischen und kulturellen Lagen von bestimmten Ländern, und von ihren liberalen und jüdischen Freunden entwickelte sie ein gutes Verständnis der politischen Lage ihres Landes. Heinrich Heine, Ludwig Börne, Heinrich Simon, Georg Herwegh, Frank Liszt, usw, waren einige dieser Freunde. Bevor sie zur populären Schriftstellerin wurde, wollte LeWald mit der Billigung ihres Vaters ihr eigenes Leben leben. Sie schrieb in ihrer Autobiographie, wie wichtig diese Billigung für sie war:

I was very eager &endash; actually, one might say anxious- to have my father's opinion of my book. When I wanted to leave, he called me back with a "Listen, Fanny!" and told me quietly, "If you want to take your scribblings with you, they are upstairs in my desk. They read quite well; they're quite nice." Who was happier than I! I had certainly expected more praise, but also more objections to the trend of my work, criticism of certain views given in it, even of expressions of speech. I could do without the praise if it meant the absence of criticism (Lewis 226).

Fanny LeWald

LeWald fing im Jahre 1841 zu schreiben an. Ihr Vetter August LeWald fragte sie, ob er ihre Werke in einer Zeitschrift, wo er als Redakteur arbeitete, veröffentlichen könnte. Ihr Vater wollte, daß sie ihren eigenen Namen nicht benutze, also wurden ihre Werke anonym veröffentlicht. Diese Arbeit kam ihr gelegen, denn sie wollte nicht nur deswegen heiraten, um finanzielle Sicherheit zu bekommen. Bald danach konnte sie als freie Schriftstellerin leben, und sie verliess im Alter von 23 Jahren das Haus ihrer Eltern. Fanny reiste viel und veröffentlichte viele Novellen, Reisebücher, und Aufsätze. Die Aufsätze berichteten über Frauen und ihre gesellschaftliche Lage.

Fannys Ideen

Fanny LeWald glaubte an die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Die Gleichberechtigung exzistierte noch nicht, und die Klassengesellschaft der Zeit verhinderte die Gleichstellung der Geschlechter. Sie stand auch für die Gleicherzeihung von beiden Geschlechtern, und für die Anerkennung der Gesellschaft, daß Frauen selbständig sein konnten. Sie ärgerte sich, daß die Frauen wegen des Reichtums der Männer und aus keinem anderen Grund heiraten mussten.

Fannys Werke

Jenny wurde im Jahre 1843 veröffentlicht. LeWald benutzte diesen Roman, um ihre Ideen über den Antisemitismus zu erklären. Der Roman zeigte die Dopplemoral, unter der die Jüdinnen litten. Der Roman illustrierte die Beschränkungen, die auf die Juden und doppelt so sehr auf die jüdischen Frauen aufgedrängt wurden. Diese Einstellung hatte sie, weil sie Jüdin und Frau war. In diesem Zitat kann man den jüdischen Verweis sehen:

Wenn sie nur nicht so verdammt jüdisch aussähe, sagte wegwerfend der junge Horn, der Sohn und Erbe eines reichen Kaufmanns (LeWald 1).

Eine Lebensfrage, eine Novelle, die im Jahre 1845 veröffenlicht wurde, untersuchte die Ergebnisse der Ehescheidung, und was passieren könnte, wenn man sich scheiden liess. Ihre Novelle, Auf roter Erde, ist eine Liebesgeschichte und wurde im Jahre 1850 veröffentlicht. Diese Novelle demonstrierte die politische und soziale Situation, die Fanny LeWald in ihrer Zeit sah. Es gab zwei junge Leute, Marie und Anton. Marie hatte einen Vater, der als Landwirt arbeitete, und Anton hatte einen Vater, der als Kaufmann arbeitete. Sie stellte einen reichen Landwirt und einen Kaufmann, die gegensätzliche politische Meinungen hatten, vor. In Auf roter Erde erklärte sie ihre Unterstützung der deutschen Einheit.

1852 veröffentlichte LeWald England und Schottland, in dem sie ihre Reisen durch die Augen einer Feministin beschrieb. Sie fand, daß die britischen Frauen eine höhere Bildung als die deutschen Frauen genossen. Erinnerungen aus dem Jahre 1848 (1850) zeigte ihr starkes Interessen für den Vormärz. In dem Buch Für und wider die Frauen (1870) diskutierte LeWald ihr Interesse für das Frauenbürgertum und setzte sich für eine bessere Frauenbildung ein:

Und wir Frauen sitzen und sitzen von unserm siebzehnten Jahre ab, warten und warten, und hoffen und harren in müßigem Brüte von einem Tage zum andern, ob denn der Mann noch nicht kommt, der uns genug liebt, um sich unserer Hülflosigkeit zu erbarmen. Und durch jeden Hausfreund, der sich erbarmen. Und durch jeden Hausfreund, der sich verheirartet, erleiden wir Enttäuschung, denn er hätte uns doch wählen können; und durch jede Herzensfreundin,die sich verheiratet, erleiden wir eine Demütigung, denn sie hat besser gefallen als wir (...) Und dazu die langen Tage mit der Näharbeit in der Hand (...) und die langsamen Stunden, jede mit ihren sechzig Minuten Zeit, immer darüber nachzudenken, daß man älter und mit jedem Jahre hoffnungsloser wird (Maurer 32-4).

Meine Lebensgeschichte (1861) handelte von ihrem Leben und ihrem Kampf als eine Frau und Schriftstellerin für die Freiheit.

Nach ihrem Tod im Jahre 1889 verschwanden ihre Werke, weil sie eine Frau war. Ihr Name verschwand auch, weil sie während des Dritten Reiches nur als eine jüdische Schriftstellerin angesehen wurde, die über die Freiheit geschrieben hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie wieder ins Gespräch, und ihre Ideen über die Frauenemanzipation wurden sehr gelobt. Karl Frenzel, ein Schriftsteller, stufte Fanny LeWald als eine führende Schriebstellerin des 19 Jahrhunderts ein. Fanny war einfach vor ihrer Zeit und war eine sehr interessante Frau, die der Welt viel zu bieten hatte.

 


Literaturverzeichnis

  1. John C. Fout. German Women In the Nineteenth Century. New York: Holmes and Meier Publishers, Inc., 1984.

  2. Mary Garland. The Oxford Companion to German Literature. New York: Oxford University Press, 1986.

  3. Fanny LeWald. Jenny. [http://www.gutenberg.aol.de/lewald/jenny/jenny.htm] 15 Feb.1998.

  4. Hanna Ballin Lewis.The education of Fanny LeWald. New York: State University of New York Press, 1992.

  5. Doris Maurer "Nähe nicht--Lebe!" Die Zeit 4 August 1989: 32.