Die Bezeichnung1Sturm und Drang kannten schon die Menschen, die in der Zeit lebten, weil sie von dem Titel eines Dramas des Jahres 1776 kam. Dieser Titel übernahm man, um ein Lebensgefühl zu bezeichnen, das
eine Generation junger Autoren, meistens im Alter zwischen 20 und 30, miteinander vereinte.
Diese Zeit bezeichnet man auch manchmal
die Geniezeit, denn die Stürmer und Dränger nannten
sich selbst gern Originalgenies.
Wie die Stürmer und Dränger sich als Literaturbewegung
verstanden, war neu in der deutschen Literatur. Vieles vereinte sie zu einer Gruppe, wie zum Beispiel:
Eine Tendenz, sich in kleinen
literarischen Zirkeln zu treffen, für Freunde zu lesen und
miteinander zu diskutieren.
An einander gefühlvolle Briefe zu schreiben, wenn sie nicht zusammen waren.
Eine
eigene Sprache zu sprechen.
Obwohl sie sich als literarische Gruppe mit ihren eigenen Ideen verstanden, schrieben sie nie eine Poetik, die ihre Theorien zur Literatur erklärte.
Dennoch kann man aus ihren Werken einige Positionen erkennen:
In der Literatur der Aufklärung war das Genie wichtig,
aber es mußte sich den Regeln der alten Kunst unterwerfen3. Im Sturm und Drang
war das Genie selbst wichtiger als die Regeln, es durfte allein
seine eigenen Regeln machen.
Nicht nur die Vernunft4, sondern auch das Gefühl des Genies
war wichtig; Individualität und Originalität hatten höchste literarische Bedeutung.
Sie waren für die natürliche Gesellschaft und den Naturmenschen, und gegen den
Kulturmenschen.
Aus diesen Ideen ist es klar, daß ihre Literatur eine Art Protest gegen die Regeln der Kunst war.
Und es folgt logisch, daß sie auch gegen die traditionellen Regeln der Gesellschaft waren. Ihr Ziel war also die politische, moralische und ästhetische
Freiheit.