German 342: German Literature
Oregon State University
March 10, 1998


Christian Dietrich Grabbe (1801 - 1836)

von Matthew Powell

Christian Dietrich Grabbe wurde am 11. Dezember 1801 in Detmold geboren. Sein Vater war Direktor des Detmolder Gefängnisses. Seine Mutter stammte aus einem Dorf. Seine Eltern liebten Grabbe sehr und gaben sich Mühe, Grabbe ein normale Leben zu geben. Doch Grabbe sprach später über seine Kindheit in einem Brief an Georg Kettenbeil mit einem dunklem Sinn: "Was soll aus einem Menschen werden, dessen erste Erinnerung war, einen alten Mörder an die frische Luft zu führen? (Nieten 9)"

Obwohl Detmold die Hauptstadt des kleinen Landes Lippe war, glaubte Grabbe, dass es eine Stadt ohne Kultur sei. In einem Brief an Ludwig Tiek schrieb Grabbe:

Mein Malheur besteht enzig darin, dass ich in keiner grössern Stadt, sondern in einer Gegend geboren bin, wo man einem gebildeten Menschen für einem verschlechterten Mastoschen hält (Bergmann, V, 93).

Trotz seiner Armmut und der kleinen, kulturlosen Stadt, in der er geboren wurde, hatte Grabbe eine gute Bildung. Seine Eltern, die hofften, dass Grabbe in die lutheranische Kirche gehen würde, schickten Grabbe auf das Gymnasium von Detmold. Sie halfen Grabbe immer mit Geld. Auf dem Gymnasium lernte Grabbe Latein, Greichisch, Englisch, Französisch, und ein bisschen Italienisch. Seine Lieblingsfächer waren Geschichte und Geographie.

Ein anderer, der Grabbe half, war Christian Gottlieb Clostermeier, der Archivar von Detmold. Über Herrn Clostermeier erhielt Grabbe ein Stipendium von der Prinzessin von Lippe. Dieses Stipendium half Grabbe, auf die Universität Leipzig zu gehen. Grabbe half sich selbst, indem er viel las.

Grabbe studierte Jura in Leipzig. Es schien, dass Grabbe der nächste Archivar von Detmold werden wollte. Er wollte aber auch Dramen schreiben. Als er in Leipzeig ankam, hatte er schon zwei Dramen geschrieben, Theodora und Der Erbprinz. Beide Dramen sind heute verloren. In diesen Tagen zeigte sich eine Schwäche Grabbes. Er trank oft und sehr in dieser Zeit. Otto Nieten schrieb über sein frühes Leben:

Einer seiner Lehrer ertappte ihn im Wirtshaus, aber Grabbe, anstatt sich zu entschuldigen, bestellt, seine Verlegenheit hinter einer reisigen Prahlerei verhüllend, sich 5 Schnäpfe und trinkt sie vor den Augen des sprachlosen Erziehers aus ... (18).

Dieser wilde Geist wurde als Grabbes Genie bezeichnet, aber er war auch Grabbes Tod. Doch war es ihm an der Universität hilfreich, weil er dadurch Georg Ferdinand Kettembeil begegnete. Kettembeil war ein Freund, der später wichtig für Grabbe wurde.

Im Jahre 1822 ging Grabbe auf die Universität Berlin. Nach einer kurzen Zeit war er mit Herzog Theodor von Gothland fertig. In demselben Jahre schrieb Grabbe eine Komödie, die Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung hiess. Das Drama mischt eine lustige Handlung mit Auslassungen über die deutsche Literatur. Das Drama ist humorvoll, deshalb kann der Leser Grabbe vergeben, dass er über alles lacht. Dieser Auszug, ein Gespräch zwischen zwei betrunkenen Männern, ist ein Beispiel von der Satire und dem Humor dieses Dramas:

SCHULMEISTER: Gott! was seufzest du?
MOLLFELS: Wehe, Wehe! Ich fürchte, dass ich vom Tische falle!
SCHULMEISTER: Da ist freilich nichts zu raten, als dass du daraufsteigst!
MOLLFELS:
steigt auf den Tisch, damit er nicht herunterfällt, und fällt herunter
SCHULMEISTER: erhebt ein schreckliches Geschrei und schlägt die Hände über dem Kopfe zusammen O Schicksal, Schicksal, unerflehliches Schicksal! Keine menschliche Klugheit vermag dir vorzubeugen, kein Sterblicher dir zu entrinnen! Ohngeachtet Mollfels auf den Tisch klettert, muss er dennoch herunterfallen! O du grimmiges, marmorhartes Untier! Er knirscht mit den Zähnen (Bergmann, I, 263).

Grabbe zeigte seinen Freunden seine Werke. Auch sandte er Ludwig Tieck, einem romantischen Dichter, Herzog Theodor von Gothland. Die kritischen Bemerkungen, die Grabbe erhielt, waren, dass seine Werke weder ganz gut noch ganz schlecht waren. Obwohl Grabbe literarische Kraft hatte, hatte er auch Lust, das Grausame und das Fantastische in seinen Dramen zu zeigen. In dem Drama Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung findet man den Teufel, den Verkauf der Unschuldigkeit einer Frau, und zwanzig Kondome. Herzog Theodor von Gothland hat noch mehr Blut und schreckliche Dinge. Eine Leserin von Herzog Theodor von Gothland, Rahel von Vernhagen, befahl Grabbe, es zurückzunehmen, weil sie nicht schlafen konnte, wenn das Drama in ihrem Haus war. Diese Mischung von Faszination und Abscheu zeigte sich in einem Brief von Ludwig Tieck über Herzog Theodor von Gothland:

Ihr Werk hat mich angezogen, sehr interessiert, abgestossen, erschreckt und meine grosse Teilnahme für den Autor gewonnen, von dem ich überzeugt bin, dass er etwas viel Besseres liefern kann ... (Bergmann, I, 5).

Dieser Brief legte Grabbe später seinem Drama vor, aber im Jahre 1823 war es noch nicht publiziert. Grabbe versuchte, Schauspieler zu werden, aber er hatte keinen Erfolg. Endlich konnten seine Eltern ihm kein Geld mehr geben, und Grabbe musste im Jahre 1823 zurück nach Detmold fahren.

Im Jahre 1824 bestand Grabbe die lippische Anwaltsprüfung. Er begann seine Praxis und verdeinte Geld zum Leben. Im Jahre 1826 erwägte die lippische Regierung, ihn zum Archivar zu ernennen. Obwohl Herr Clostermeier für Grabbes Ernennung war, bekam Grabbe die Stelle nicht. In demgleichen Jahr half er dem Auditeur Rotberg. Als Herr Rotberg im Jahre 1827 starb, wurde Grabbe Auditeur und war für Eintausendzweihundert Soldaten teilweise verantwortlich. Er war bis 1834 Auditeur. Sein Beruf verlieh Grabbe mehr Ansehen in Detmold, als er früher hatte.

Am Anfang seines Detmolder Lebens schrieb Grabbe keine Dramen. Bis 1827 arbeitete er nur an zwei Dramen, die er in Berlin angefangen hatte: Nannette und Maria und Marius und Sulla. Im Jahre 1827 lernte Grabbe Georg Kettembeil, einen Verleger, kennen. Kettembeil publizierte die vier Dramen Grabbes dieser Zeit: Herzog Theodor von Gothland; Schertz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung; Nannette und Maria; und Marius und Sulla. Die Dramen verursachten einen Aufruhr in literarischen Kreisen. Der begeisterte Grabbe schrieb einen Kommentar über Shakespeare und die deutsche Literatur, die Über die Shakspearo-Manie hiess.

Grabbe schrieb weiter. Sein Drama Don Juan und Faust war das einzige Drama, das zu Grabbes Lebzeiten gespielt wurde. Das Drama beschreibt ein Treffen zwischen dem Verführer Don Juan und dem verdammten Zauberer Faust. Die Zwei kämpfen um die Liebe eines spanischen Fräuleins. Der Teufel nimmt aber beide weg. Grabbe schrieb zwei Dramen über die Hohenstaufen: Kaiser Friedrich Barbarossa und Kaiser Heinrich der Sechste. Er schrieb noch eine Komödie, die Aschenbrödel hiess. Im Jahre 1831 wurde sein Drama Napoleon oder die hundert Tage publiziert. Napoleon war ganz in Prosa geschrieben, eine neue Idee in der deutschen Dramatik. Ein Drama von Georg Büchner, das Dantons Tod hiess, könnte Napoleon beeinflusst haben. Das letzte Drama, das Grabbe in dieser Zeit schrieb, war Hannibal.

In dieser Zeit passierten zwei wichtige Ereignisse. Zuerst war Grabbe Auditeur. Diese militärische Arbeit half Grabbe, seine späteren Dramen zu schreiben, weil sie über Krieg und Soldaten sind. Der andere Einfluss war seine Probleme mit Frauen, die Grabbe bis zum Tod schmerzen würde. Zuerst machte er Luise Clostermeier, die die Tochter des Archivars war und die zehn Jahre älter als Grabbe war, einen Heiratsantrag. Luise sagte aber: "Nein!" Grabbe bat dann eine andere Frau, Henriette Meyer, um ihre Hand. Henriette aber brach zweimal die Verlobung ab, und im Jahre 1832 floh sie nach Stolzenauand, wo sie einen anderen heiratete. Noch einmal versuchte Grabbe, Luise zu gewinnen. Diesesmal hatte er Erfolg, wenn man es Erfolg nennen kann. Das Paar heiratete kurz nach dem Tod Grabbes Vaters.

Grabbes Ehe war schlecht statt hilfreich. Seine Frau war weder mit Grabbe noch mit seiner Mutter zufrieden. Bald wurde Grabbe krank. Er konnte nicht arbeiten. Endlich resignierte er. Grabbe konnte sein Leben nicht leiden. Er verliess im Jahre 1834 Detmold, um ganz von der Kunst zu leben.

Er kam endlich nach Düsseldorf. Er traf Karl Immerman, der das Düsseldorfer Theater leitete. In Düsseldorf publizierte Grabbe die bearbeiteten Dramen Hannibal und Aschenbrödel. Grabbe schrieb für das Düsseldorfer Fremdenblatt als Theaterkritiker. Er arbeitete an seinem letzten Drama, Die Hermannschlacht. Dieses Drama handelt von dem Sieg des germanischen Hermanns über den römischen General Varus, aber Grabbe lobte nicht die alten Germanen wie ein Romantiker. Er sah die Schlacht als eine Tragödie für die Zivilisation, weil die Germanen Hermanns Zeit keinen Sinn für die Geschichte hatten. Er zeigte Schwäche auch in der römischen Kultur.

Unglücklicherweise blieben Grabbes Umstände nicht so gut, wie sie in Düsseldorf gewesen waren. Grabbe war ein harter Kritiker, und er machte sich durch seine Artikel viele Feinde. Seine Freundschaft mit Immerman ging bergab. Grabbe hatte eine einsame Natur und machte neue Freunde nicht schnell. Ohne Freunde fing er wieder an zu trinken. Grabbe war nie ein gesunder Mann und wurde bald krank. Er konnte wenig an seinen Dramen arbeiten. Seine Schulden wurden immer grösser. Im Mai 1836 ging Grabbe zurück nach Detmold. Er brachte Die Hermannschlacht mit sich, das noch nicht fertig war.

Die Frau Grabbes wollte nicht, dass Grabbe in ihr Haus kam. Grabbe blieb in einem Hotel, bis Die Hermannschlacht fertig war. Weisstein sagt hier, dass das Ende bald kommen würde: "Many could see that he would never recover his helath. Because his stomach could no longer stand a solid meal, alcohol had become virtually his only nourishment" (37).

Mit der Hilfe der Polizei kam Grabbe doch in sein Haus. Im August reichte seine Frau die Scheidung ein, aber sie musste nur ein bisschen auf die Natur warten. Christian Grabbe starb am 12. September 1836, in den Armen seiner Mutter. Zwanzig Leute gingen auf die Beerdigung, aber niemand, die in Detmold Ansehen geniess, nahm an der Beerdigung teil.

Grabbe war auf vielen Weisen vor seiner Zeit. In seinen Dramen probierte er neue Szenen und Methoden aus. Napoleon war in Prosa geschrieben, und grosse Gruppen erschienen in dem Drama auf der Bühne. Viele von seinen Werke näherten sich der späteren Tragikomödie. Seine Werke waren aber nicht populär und wurden bis zum zwanzigsten Jahrhundert nicht oft gespielt.

Andere Autoren romantisierten Grabbes Leben. Die Ideen eines Künstlers, dessen revolutionärische Werke die Welt nicht verstehen kann, dessen wilder Geist ihn endlich in den Tod führt, ist für viele Autoren sehr attraktiv. Die Ideen von Grabbe sind noch heute kräftiger als seine Werke.

Auch sein Leben ist auch eine Warnung. Grabbe war eine guter Dichter. Er konnte auf die menschliche Natur gut aufpassen und sie beschreiben. Doch kannte er die Menschen nicht gut. Er hatte wenige echte Freunde und blieb ihnen nicht treu. Er heiratete nicht gut und war nicht oft mit seinem Leben zufrieden. Wenn es einen Grund für die Literatur gibt, ist es nicht, ein Leben wie das Leben Grabbes zu haben. Deshalb soll man die Weisheit nicht nur aus der Literatur nehmen.

 


Literaturverzeichnis

  1. Alfred Bergmann. Christian Dietrich Grabbe: Werke und Briefe. Volumes I, V. Emsdetten: Verlaglechte, 1960.

     

  2. Roy C. Cowen. Christian Dietrich Grabbe. New York: Twayne Publishers, Inc., 1972.

     

  3. Maurice Edwards, ed. Jest, Satire, Irony and Deeper Significance. New York: Frederick Ungar Publishing Co, 1966.

     

  4. Otto Nieten, ed. Christian Dietrich Grabbes Sämtliche Werke. Volumes I-II. Leipzig: Mar Hesses Verlag.