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DER HISTORISCHE und GEDANKLICHE HINTERGRUND ZU DEN LITERATURBEWEGUNGEN "Aufklärung" und "Sturm und Drang"


Die Mitte des 18. Jahrhunderts

Die deutsche Literatur nach 1750 (die Literaturbewegungen Aufklärung und Sturm und Drang) kann man nur in Verbindung1 mit der Geschichte der Zeit und besonders mit den Ideen der Aufklärung im Allgemeinen2 sehen, auf dieser Seite und auf der nächsten sind also einige Fakten und Gedanken zur Aufklärung und zur Geschichte des 18. Jahrhunderts im deutschen Raum.


Die Idee der Aufklärung

  1. Schon am Anfang des 17. Jahrhunderts formulierten Männer wie Descartes (1596-1650), Grotius (1583-1645), und Hobbes (1588-1679) erste aufklärerische Ideen, und im 18. Jahrhundert glaubten die wichtigsten Denker in Europa, wie zum Beispiel Locke (1632-1704), Spinoza (1632-1677), Leibniz (1646-1716), Thomasius (1655-1728),und Wolff (1679-1754), an die Ideen der Aufklärung.

  2. Mit der Aufklärung siegt3 das moderne Menschenbild4 über das alte Menschenbild des Mittelalters. Im alten Denken waren die Menschen standesbestimmt5, aber jetzt glaubte man, daß alle Menschen selbständig6 urteilen7 und handeln8 können--und sollen.

  3. Also, weil sie jetzt selbständig sind, haben die Menschen das Recht, aber auch die Pflicht9, jede Idee, die sie zustimmen10 sollen, selbständig und kritisch zu prüfen.

  4. Einer der bedeutendesten Philosophen aller Zeiten, Immanuel Kant, formulierte wichtige Gedanken zu der Aufklärung in seinem Was ist Aufklärung? (1784):
    "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmüdigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere audo! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung." (Ein Ausschnitt!)
    (Eine Übersetzung von Was ist Aufklärung?: Enlightenment.)

  5. Kant entwickelte11 aus den Ideen der Aufklärung seine Pflichtethik12, die in dem kategorischen Imperativ zusammengefasst ist: "Handele so, daß die Maxime deines Willens zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung dienen kann." (Eine Übersetzung: categorical imperative.)

  6. Seit dieser Zeit bedeutet der Begriff13 Aufklärung immer ein kritisches Denken mit dem Ziel14, das Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft zu verbessern.

  7. Die folgenden Ideen sind für die Aufklärung in Deutschland charakteristisch:

    • Die Kritik ist am allerwichtigsten. Jeder Mensch muß lernen, kritisch zu denken, und diese Kritik auszuüben15. Das Ziel des Menschen ist die Entwicklung des selbständigen Geistes16.
    • Man glaubt an die Erziehung17 und auch, daß der Mensch durch gute Erziehung lernen kann, besser zu sein.
    • Alle Phänomene kann man durch die menschliche Vernunft18 erklären.
    • Traditionelle Lebens- und Denkweisen überprüft man mit der Idee, die Interessen der Nichtadligen19 zu repräsentieren.
    • Das Denken der Aufklärung geht zuerst und primär um theoretische und praktische Fragen der Religion. Die Vernunft soll auch in der Religion eine Rolle spielen, man sucht also eine Verbindung zwischen dem vernünftigen, selbstverantwortlichen20 Denken des Menschen und den Grundsätzen21 der Religion. Zum Beispiel: Wie kann man Vernunft und Offenbarung22 harmonisieren? Die Vernunftreligion der Aufklärung nennt man Deismus.
    • Man ist für die religiöse und rassistische Toleranz und glaubt an die Gleichheit23 der Menschen. Man ist optimistisch, daß die Menschheit sich immer in Richtung einer besseren Welt bewegt, d.h., man glaubt an den Fortschritt24.

Für den Text, aus dem der folgende Ausschnitt stammt, war die Aufklärung auch von zentraler Bedeutung. Erkennen Sie den Text?
"Wenn aber eine lange Reihe von Mißbräuchen und Übergriffen, die stets das gleiche Ziel verfolgen, die Absicht erkennen läßt, die Menschen absolutem Despotismus zu unterwerfen, so ist es ihr Recht, ist es ihre Pflicht, eine solche Regierung zu beseitigen (...)."

Literatur der Aufklärung
Literatur des Sturm und Dranges.
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