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GEDICHTE und Fragen: Goethe: "Grenzen der Menschheit" (1780)


Grenzen der Menschheit

1     Wenn der uralte,
2     Heilige Vater
3     Mit gelassener1 Hand
4     Aus rollenden Wolken
5     Segnende2 Blitze
6     Über die Erde sät3,
7     Küss' ich den letzten
8     Saum4 seines Kleides,
9     Kindliche Schauer5
10    Treu in der Brust.

11    Denn mit Göttern
12    Soll sich nicht messen6
13    Irgendein Mensch.
14    Hebt er sich aufwärts
15    Und berührt
16    Mit dem Scheitel7 die Sterne,
17    Nirgends haften8 dann
18    die unsichern Sohlen,
19    Und mit ihm spielen
20    Wolken und Winde.

21    Steht er mit festen
22    Markigen Knochen9,
23    Auf der wohlgegründeten10
24    Dauernden Erde,
25    Reicht er nicht auf
26    Nur mit der Eiche
27    Oder der Rebe11
28    Sich zu vergleichen12.

29    Was unterscheidet13
30    Götter von Menschen?
31    Daß viele Wellen
32    Vor jenen wandeln14,
33    Ein ewiger Strom:
34    Uns hebt die Welle,
35    Verschlingt15 die Welle,
36    Und wir versinken.

37    Ein kleiner Ring
38    Begrenzt unser Leben,
39    Und viele Geschlechter16
40    Reihen sie dauernd
41    An ihres Daseins17
42    Unendliche Kette.

Fragen:

  1. Dieses Gedicht ist in der Form einer Hymne. Was denken Sie: Welche Themen bespricht ein Autor in einer Hymne?

  2. Was ist das Thema dieser Hymne?

  3. Wieviele Zeilen hat jede Strophe? Warum, denken Sie, gibt es weniger Zeilen in den letzten Strophen?

  4. Wie ist der Rhythmus und der Reim des Gedichtes? Gibt es Assonanz? Alliteration? Welche anderen poetischen Merkmale finden Sie hier?

  5. Gibt es einen Gott oder viele Götter, nach Goethe? Was halten Sie von dieser Idee?

  6. Zeilen 11-13: Warum soll sich der Mensch nicht mit den Göttern messen? Wie ist das Dasein für die Götter, wie für die Menschen?

  7. Was ist Goethes Ziel mit diesem Gedicht? Was will Goethe mit diesem Gedicht sagen?

  8. Was halten Sie von seiner Aussage18?

  9. Vergleichen Sie diese Aussage mit der Aussage in Goethes früheren Gedichten!

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