GER 341: German Literature
Oregon State University
December 3, 1996

Karoline Frederike Louise Maximiliane von Günderrode

von Mario Eiland

Karoline von Günderrode wurde am 11. Februar 1780 in Karlsruhe geboren. Sie war die älteste von sechs Töchtern. Ihr Vater war Hektor von Günderrode. Hektor von Günderrode war Schriftsteller und Berater des Herzogs von Baden. Ihre Mutter, Louise von Günderrode, war eine gelehrte Frau, die Gedichte und Aufsätze anonym veröffentlichte.

Als Kind erlebte Karoline einige Tragödien. Ihr Vater starb, als sie nur sechs Jahre alt war, und später ist eine von ihren Schwestern auch gestorben. Außer diesen Tragödien war ihre finanzielle Situation auch schlimm. Folglich wurde sie in ein Prodestantenkloster geschickt. Es hieß das Cronstetten- Hynspergisches Adelige Damenstift in Frankfurt. Sie war nur 19 Jahre alt, als sie ihr Klosterleben anfing. In diesem Kloster wohnten adelige Frauen, die verwitwet oder unverheiratet waren. Sie war die jüngste im Kloster und bekam privaten Unterricht in Philosophie und Geschichte.

Während ihrer Zeit im Kloster lernte Karoline zwei gebildete Frauen, die sehr sympatisch mit ihrer Situation waren und Günderrode in ihren Freundeskreis hineinließ. Karoline verliebte sich in einen Historiker namens Friedrich Karl von Savigny, der später zum Justizminister von Preussen ernannt wurde. Die Beziehung war aber sehr kurz, weil Savigny Angst vor ihrem Intellekt und starker Leidenschaft hatte.

Nach zwei Jahren traf sie die Schwestern Bettina und Gunda Brentano. Kurz danach verliebte sich Karoline zum zweiten Mal, dieses Mal in den Bruder von Bettina und Gunda, Clemens Brentano. Solch eine Beziehung war aber kompliziert, denn Clemens war ein sehr unverantwortlicher und unstabiler Mann. Karoline wurde davor gewarnt, und die Sache wurde schnell zum Ende gebracht. Die Freundschaft zwischen Bettina und Günderrode wuchs aber weiter. Ihre Korrespondenz über Theorien von der Geschichte, Philosophie, Liebe und Religion wurde immer grösser

1804 lernte sie einen Professor, Friederich Kreuzer, in Heidelberg kennen. Kreuzer war verheiratet, aber Günderrode eintschied sich, der Liebe noch eine Chance zu geben und begann eine Liebesaffäre mit ihm. Diese war soweit ihre komplizierteste Beziehung. Die Beiden trafen sich angeblich geheim in dem Rheintal, und nach eine Weile versprach er ihr, daß er sie, als Mann verkleidet, eines Tages nach Rußland bringen würde. Das Versprechen war natürlich falsch, und Kreuzer beendete die Beziehung schließlich mit einem Brief. Den Freunden ist es nicht gelungen, den Brief abzufangen, und sie waren sicher, daß seine Worte Karoline schwer treffen würden. Der Brief erreichte Karoline, und nachdem sie ihn gelesen hatte, verließ sie ihr Haus und ging zum Ufer des Rheins. Dort fesselte sie schwere Steinen an ihre Beinen, stach ein Messer durch das Herz und sprang in den Fluß. Es war der 26. Juli 1806.

Obwohl Karoline von Günderrode nur ein sehr kurzes Leben hatte, schrieb sie drei Bände von Gedichten, Aufsätzen und anderen Werken. Zwei von denen wurden unter dem maskulinen Namen "Tian" veröffentlicht. Dies wurde von einem damals bekannten Kritiker August Friederich von Kotzebue und von einem Bekannten der Karoline, Christoph Nees von Esenbeck, entdeckt. Wegen ihrer Bekanntschaft mit vielen Intelektuellen verbreitete sich die traurige Nachricht von ihrem Tod schnell und weit von den Ufern des Rheines. Nach dieser Tragödie haben viele versucht, den wirklichen Grund, warum sie sich tötete, herauszufinden. Goethe selbst schrieb sogar Theorien darüber. Bis heute sind die exakten Detailles über den Tod der Karoline von Günderrode noch ungewiß.

Wegen der Forschung der Christa Wolf von den Werken der Günderrode wurden viele interesante Fakten und neue Theorien über den Tod der Karoline in den letzten Jahren aufgedeckt. Eine von denen ist die von Friederich Kittler, der die Tragödie als Metapher für "die Vernichtung von Frauen in Deutschland von der intellektuellen Welt des 19. Jahrhunderts" verwendet. Leider ist seine Darstellung die von einer Frau, die keine Kontrolle über ihre Leidenschaft besaß, von einer Frau, die von der Liebe geblendet und emotionell mißtrauensvoll war.

Günderrode war aber nicht so passiv wie Kittler sie beschrieb. Karoline hatte Kreuzer überzeugt, ihren männlichen Namen zu benutzen, schrieb Wolf in einer Notiz. Oft nannte sie sich "Günderrode" oder "der Freund" in Briefen an Savigny und Kreuzer, und sie benützte andere Pseudonymen in ihren vielen Werken.

Der Grund dafür war die Freiheit von den gesellschaftlichen Einschränkungen, die die Frauen ihrer Zeit ausstehen mußten. Solches Benehmen war gar nicht wohl angenommen, aber Karoline beharrte. Ihre Bekannten akzeptierten ihre Wünschen etwas ungern, besonders Savigny, der sagte, daß ihr Glauben recht republikanisch sei. Weiter, schrieb er immer “Günderchen” in seinen Briefen und behauptete, daß sie unfähig sei, die grösseren politischen und philosophischen Angelegenheiten der Zeit zu diskutieren. Für ihn war ihre intelektuelle Entwicklung unwichtig, und sie mußte sympatische Männer finden, um solche Themen zu diskutieren.

Günderrode war eine Frau, gerißen zwischen ihrem Verlangen nach Verständnis und ihrer Gesellschaft, die ohne Verständnis für solche Frauen war, zwischen ihrer Kenntnis der Vergangenheit und ihren freudlosen Erwartungen der Gegenwart. Es ist gar keine Überraschung, daß sie auch keine Zukunft außer alt und einsam in den kalten Räumen des Klosters zu werden sah, und deshalb brachte sie ihr Leben zum Ende.

Historische und Literarische Überlegungen über Günderrode

In diesem Teil von dem Text möchte ich einige der Charakterisierungen von Karoline von Günderrode zusammenbringen, die in den zwei hundert Jahren nach ihrem Tod aufgetaucht sind. Kurz nach dem Selbstmord der Autorin wurden ihre vielen Gedichte, Aufsätze, und einige Dramen entdeckt. Obwohl sie sehr bekannt unter ihren literarishen Zeitgenossen war, wurden ihre Werke von den Meisten schnell vergessen, verloren vielleicht wegen der literarischen Aufregung des frühen 19. Jahrhunderts, oder vielleicht, weil solche intelektuellen Frauen während dieser Zeit als unweibliche "Blaustrümpfe" betrachtet wurden.

Deswegen trat Günderrode erst 30 Jahre nach ihrem Tod in die deutsche Erinnerung wieder ein, als ihre Freundin Bettina Brentano von Arnim Goethes Briefwechsel mit einem Kind 1835 veröffentlichte. Da erzählte sie in einem Brief an die Mutter von Goethe im Jahre 1808 eine kurze Beschreibung von ihrer Freundschaft und dem Tod von Karoline. Diese Erzählung aber malte ein Bild von Karoline nicht als Schriftstellerin und Denkerin, sogar nicht als Freundin der Bettina Brentano, sondern hauptsächlich als tragischer Selbstmörderin, eine stereotypische junge Romantikerin, die weder ihre tranzendentische Identität von ihren Gedichten und Träumen noch die gesellschaftliche Identität von Heiraten und Familie realisierte.

Eine zweite Charaktarisierung von Karoline von Günderrode tauchte 1840 in dem zweiten Werk von ihrer alten Freundin auf, mit dem Titel Die Günderrode. Dieses Werk war eine Sammlung von Briefen zwischen ihr und Brentano zusammen mit einigen Aufsätzen und Gedichten und wurde von Arnim zusammengesetzt. Das Buch beginnt mit einem philosophischen Gespräch und endet mit Gedichten.

Eine dritte Charaktarisierung von Günderrode schlägt Margaret Fuller vor, in der die Beziehung zwischen ihr und Brentano, eine poetische Beziehung sei. Günderrode wird auch als Mentor und intellektuelle Ratgeberin der jungen Brentano vorgestellt.

Ich habe viel über das Leben der Günderrode gelesen und gelernt. Nach meiner Meinung, weißt niemand wirklich, warum Günderrode sich tötete. Der Betrug von Kreuzer bleibt immer als Grund dabei, aber Schriftsteller werden noch jahrzehntenlang ihr Leben und ihre Werke analysieren und diskutieren. Das Geheimnis von Günderrode ist einfach zu fazinierend zu verschwinden.

BIBLIOGRAPHIE

Campbel,C. The Karoline von Günderrode Pages. [http://www.reed.edu/~ccampbel/tkp/], November 1996

Campbel, C.. Karoline von Günderrode: Comprehending a Suicide. [http://www.reed.edu/~ccampbel/tkp/KvG/excursi/Suicide_Text.html], November 1996

Campbel, C.. Karoline von Günderrode: Woman, Mentor, Muse. [http://www.reed.edu/~ccampbel/tkp/KvG/excursi/WMM_Text.html], November 1996

Campbel, C. The Kassandra Project. [http://www.reed.edu/~ccampbel/tkp/], November 1996