Alte Definition: Ein Schriftstück, das ein Autor/eine Autorin nach bestimmten1
ästhetischen Regeln schreibt.
Die Form, der Inhalt2, der Umfang3 mußten innerhalb dieser
Regeln bleiben. Man beurteilte4 die Qualität eines Werkes danach,
ob er/sie diese Regeln einhielt5 oder nicht. Natürlich war das nicht das
einzige Kriterium, aber das stand am Anfang.
Diese Regeln konnte man in einer Poetik (= die Lehre von der
Dichtkunst) finden. Am wichtigsten für die westliche Literatur waren die Poetik von dem Griechen Aristoteles und die
Dichtkunst von dem Römer Horaz. In beiden Werken findet man auch Ziele6 der
Literatur; mimesis (Griechisch; auf deutsch: Nachahmung7) und katharsis (auf deutsch: Reinigung8) standen
für Aristoteles im Mittelpunkt, die Verbindung9 von prodesse (Latein; auf deutsch: nützen10) und delectare (auf deutsch: erfreuen11) für Horaz im Mittelpunkt.
Die erste Poetik für die deutsche Sprache war das Buch der deutschen Poeterey (1624) von Martin Opitz. Diese Poetik ist noch an den
antiken Regeln orientiert. Im 18. Jahrhundert schrieb Gotthold Ephraim
Lessing einige Werke, die diesen alten Regeln nicht mehr ganz folgten, dann
haben die Stürmer und Dränger des späten 18. Jahrhunderts alle Regeln abgelehnt12.
Aber die Idee, daß man die Qualität nach diesen aufgeschriebenen Ideen
beurteilt, hielt sehr lange, bis zum 20. Jahrhundert. In den letzten
50 Jahren aber sieht man die Literatur anders.
Neue Definition: Alles, was geschrieben ist, ist Literatur. Aber in diesem Kurs diskutieren wir nur eine Sorte von Literatur! S. unten.
Die Formen der Literatur (auch Gattungen oder Genres genannt):
Die klassischen Formen der Literatur sind:
Das Drama: Texte, die Schauspieler in Szenen in der Dialogform spielen.
Die Tragödie, die Komödie.
Die Sach- oder Fachliteratur: Texte, die informieren. Diese Literatur heißt auch Gebrauchsliteratur. In der Gebrauchsliteratur hat die Sprache eine einzige Funktion: zu informieren.
Die schöngeistige Literatur, die man in zwei Gruppen teilt:
Die Unterhaltungsliteratur (manchmal auch Belletristik genannt): Texte, die
unterhalten.15
Die Dichtung16: Texte, die geschrieben werden, um Sprach- oder Wortkunstwerke17 zu sein. In der Dichtung hat die Sprache viele Funktionen: sie informiert, aber sie hat auch eine eigene Struktur und einen eigenen Wert. Diese Sorte von Literatur lesen wir in GER 341, 342, und 343.
Es gibt auch eine andere Möglichkeit18, die Literatur aufzuteilen: in
fiktionale und nichtfiktionale Texte.