Bernd Heinrich von Kleist wurde am 18.Oktober 1777 in Frankfurt
an der Oder geboren. Der Sohn von Joachim von Kleist und seiner zweiten
Frau, Juliane Ulrike Pannwitz, Kleist wurde zuerst von einem Hauslehrer,
der Christian Martini heiss, erzogen. Seine Kindheit war typisch bis zu
dem frühen Tod seines Vater im Jahr 1788. Nachher lebte Kleist beim
Prediger Samuel Heinrich Catel, um seine Erziehung fortzusetzen. Hier besuchte
er das französische Gymnasium.
1792 ging Kleist zum Militär. Er nahm am Rheinfeldzug teil und
wurde im Jahr 1797 zum Leutnant befördert. Zwei Jahre später
schrieb er seinen ersten Aufsatz, der „Autsatz, den sichern Weg des Glücks
zu finden" heiss. Diese frühe Schrift behauptet die Ideen der Aufklärung,
besonders die von Vernunft und Tugend. Obwohl Kleist der Sohn eines Offizier
war, fand er im Militär keine Erfüllung, und im Jahr 1799 verliess
er das Militär. Ein Brief an Christian Maritini enthielt seine Gründe:
„Die größten Wunder militarärischer Disziplin¼
wurden der Gegenstand meiner herzlichsten Verachtung;¼
es schien mir als ein lebendiges Monument der Tyrannei." Kleist studierte
statt dessen an der Universität Frankfurt, wo seine Hauptfächer
Mathematik und Physik waren. Hier, im Jahr 1800, verlobte er sich mit Wilhelmine
von Zenge.
Kleist verließ nach einem Jahr die Universität. Er machte eine Reise nach Würzburg. Als er nach Berlin kam, suchte er keinen Beruf. Er sagte Wilhelmine: „Ich will kein Amt nehmen." Im Jahre 1801, nachdem er die Philosophie von Kant gelesen hatte, erlebte Kleist seine erste Gemütskrise. Kleist hatte immer der Vernunft den höchsten Wert gegeben, aber er fühlte, daß es etwas Anders gab. „Meine einziges, mein höchstes Ziel ist gesunken", schrieb er Wilhelmine, „und ich habe nun keines mehr." Kleist suchte durch eine Reise Trost. Er ging zuerst nach Paris, später nach Frankfurt am Main und in die Schweiz. Hier las er Rosseau, der ihm eine andere Perspektive gab. Aber während er von Berlin Weg war, machte Wilhelmine einen Entschluß. Sie wollte keine arme Frau sein und löste ihre Verlobung auf.
Im Jahre 1802, als er in der Schweiz war, schrieb Kleist sein erste
Drama, Die Familie Ghonorez. Der Ort wurde später von Spainien
zu Deutschland verlegt, und damals wurde der Titel zu Die Familie Schroffenstein
auch geändert. Die Endschrift wurde im November 1802 veröffnet.
In der Schweiz hatte Kleist auch seinen ersten Anfall.
Zwischen den Jahren 1802 und 1804 reiste Kleist nach Jena, Weimar und
Ossmannstedt. Als er in Weimar war, lernte er Goethe und Schiller kennen.
Im Januar 1803 las Kleist Christoph Wieland in Ossmannstedt seine neue
Tragödie, Robert Guiskard, vor. Wieland billigte sein neues
Werk. Dann ging Kleist nach Leipzig, Dresden und am Schluß Paris,
wo er in eine zweite Depression hineingerissen wurde. Er verbrannte das
Manuskript von Robert Guiskard, das die Arbeit von 500 Tagen und
Nächten bedeutete. Überwältigt versuchte er, zum französischen
Militär zu gehen. In einem Brief an seine Schwester, Ulrike, schrieb
er: „Ich werde den schönen Tod der Schlachten sterben". Endlich musste
er nach einem körperlichen Zusamenbruch ins Krankenhaus.
Im Jahre 1804 kam er zurück nach Berlin. Hier war Kleist beim
Finanzminister Altenstein beschäftigt. Im selben Jahr premierte an
der Bühne in Graz Die Familie Schroffenstein. 1805 ging er
nach Königsberg, um seine Arbeit und Erziehung fortzusetzen. Er studierte
Ökonomie und schrieb weiter. Die folgenden zwei Jahre waren für
Kleist sehr fruchtbar. Er schrieb Der zerbrochene Krug (1806),
Amphitryon (1807), Die Marquise von O¼(1808),
Das Erdbeben in Chili (1808), und einen Aufsatz, der „Über
die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" heiss. Er fing
auch Penthesilea (1808) und Michael Kohlhaas (1808) an. Die
ganze Zeit war er aber immer krank.
Im Jahre 1807, als die Franzosen Berlin besetzten, wurde Kleist als
verdächtiger Spion verhaftet. Sechs Monate lang wurde er im Gefängnis
in Paris eingesperrt. In dieser Zeit veröffentlichte Adam Müller,
ein Freund von Kleist, Amphitryon. Nach seiner Entlassung aus dem
Gefängnis ging Kleist nach Dresden, wo Müller ihm die literarische
Welt zeigte. „Ich fühle mich wieder ganz frei"! sagte er in einem
Brief an Wieland.
Im Januar 1808 produzierten Kleist und Müller die erste Nummer
der Zeitschrift Phöbus. Darin erschien in den folgenden Monaten
viele von Kleists Werken. Goethe inszenierte im März in Weimar seine
Komödie Der zerbrochene Krug, aber sie war ein unbestrittener
Mißerfolg. Damals begann aber der deutsche Widerstand gegen Napoleon,
der Kleist dazu anspornte, politische und nationalistische Werke zu schreiben.
Nach einem Jahr ging Phöbus zu Ende, meistens, weil sie nicht
genug Unterstützung von anderen Dichtern und den Lesern erhielt. Kleist
reiste weiter nach Österreich und Prag und kam mittellos nach Frankfurt
an der Oder zurück. Er blieb aber nicht lang und reiste bald nach
Dresden und Prag, wo er Prinz Friedrich von Homburg anfing.
Jahr 1810 lebte Kleist noch einmal in Berlin. Hier redigierte Kleist
vom 1. Oktober bis 30. März die erste Tageszeitung Berlins, Berliner
Abendblätter. Die Zeitung hatte aber nur eine kurze Laufzeit,
währenddessen sie vielen Zensurschwierigkeiten begegnete. Ein paar
von Kleists Dramen wurden in Wien und Bamberg inszierten, so wie Das
Kätchen von Heilbronn im März 1810 Sie wurden aber noch nicht
in Berlin aufgenommen. Kleist bat den König um ein Amt oder Geld,
aber er bekam keine Antwort. Auch im März 1810 vollendete Kleist
Prinz Friedrich von Homburg, und er widmete es der Prinzessin Marianne,
aber das Drama mochte sie nicht. Kleist hatte noch einmal keine Aussichten.
Im Jahr 1811 lernte Kleist eine unheilbare kranke Frau kennen. Sie litt an Krebs und hiess Henriette Vogel. Henriette bat Kleist sie zu töten. Am Wannsee erschoss Kleist Henriette Vogel und sich. Er starb am 21. November.1811.
Heinrich von Kleist war ein prächtiger Autor der Romantik. Seine
Dramen und Kurzgeschichten bekommen heutzutage Ruhm. Die Kunst von Kleist
unterschied sich aber von der Kunst anderer Autoren dieser Zeit. Sie waren
oft dunkel und doppelsinnig. Wir können die Gründe für sein
tragisches Leben in seinen Werk sehen. Kleist kämpfte viel mit den
Ideen der Vernunft und des Gefühls, und als Folge sind seine Dramen
oft kompliziert. Er kümmerte sich um das Schicksal und Chaos, und
die beiden koexistieren in seiner Kunst und in seinem Leben.