Ger 341: German Literatur
Oregon State University
December 3, 1997

Karoline Frederike Lousie Maximiliane von Günderrode (1780-1806)

Von Shirley Stockton

Karoline von Günderrode wurde am 11. Februar 1780 in Karlsruhe geboren. Sie war eine der wenigen Autorinnen, die während dieser Zeit schrieben. Als eine Frau hatte sie keine soziale Stellung und keine Gleichberechtigung. Karoline Frederike Louise Maximiliane von Günderrode war ein eigenartiger Mensch. Sie war die älteste Tochter von Hektor und Lousie von Günderrode. Ihr Vater war ein markgräflich badischer Kammerherr, und ihre Mutter war eine gelehrte Frau, die auch Gedichte und Aufsätze anonym veröffentlicht hatte. Im Gegensatz zu ihren Zeitgenossen, die ein Hintergrund aus dem Wolhstand hatten, war Karoline eine hochgelehtre Frau ohne Reichtum.

Karolines Kindheit

Ihre Kindheit war mit vielen Tragödien gefüllt. Ihre Familie hatte viele Probleme mit ihren Finanzen, welche der Tod ihres Vater noch komplizierter machte. In ihrem vierzehnten Lebensjahr verlor sie ihre Schwester. Sie hatte viele Probleme mit ihrer Mutter, und folglich bekam sie besondere Erlaubnis, in das Cronstetten-Hynspergisches Adelige Damenstift in Frankfurt einzutreten. Das Kloster war für verwitwete Frauen und unverheiratete, adlige Frauen. Karoline war eine junge Frau, die jetzt mit vielen älteren Frauen wohnte. Auch studierte sie die Geschichte und die Philologie mit ihren schwachen Augen.

Karolines neues Leben

Sie lernte wenige gelehrte Frauen kennen, dadurch fing ihr gesellschaftliches Leben im Kloster an. Karoline lernte ihre erste Liebe im Jahr 1799 kennen. Er hieß Friedrich Karl von Savigny. Er war Historiker. Friedrich ließ sich von ihrer Leidenschaft und ihrem Verstand abschecken und hielt sich von einer romantischen Beziehung fern. Sie traf auch eine andere Autorin, Sophie von La Roche, in Offenbach. Sie war die Großmutter von Bettina, Clemens und Gunda Brentano. Die beiden Mädchen und ihr Bruder lernten sie durch Sophie kennen. Sie verliebte sich in Clemens Brentano, aber seine geistliche Stabilität war etwas Unsicher, und ihre Gefühle verschwanden bald. Die Freundschaft zwischen Karoline und Bettina wurde immer enger, und später war Karoline ein wichtiger Mentor. Die junge Bettina teilte ihre Ideen über die Geschichte, Philosophie, Liebe und Religion in vielen Schriften mit Karoline.

Bettina schrieb oft von ihrer Freundin in ihren späteren Werken und beschrieb die Wichtigkeit ihrer Beziehung mit Karoline:

I could not miss her for a single day, but ran to her every afternoon: when I came to the cloistergate, I peeped through the keyhole toward her door till I was let in. Her little apartment was on the ground floor, looking into the garden: before the window grew a silver poplar, which I climbed to readaloud. At each chapter, I clambered one bough higher and thus read down to her- she stood at the window and listened, speaking to me above: every now and then she would say: "Bettine, don't fall." Only now do I realize howhappy I then was; for all- even the most trifling thing- is impressed on my mind as the remembrance of enjoyment (Blackwell & Zantop 456).

Man kann in diesem Absatz den Mentor sehen, der Karoline zu Bettina wurde:

Es kommt mir bald zu närrisch vor, liebe Bettine, daß Du Dich so feierlich für meinen Schüler erklärst, ebenso könnte ich mich für Deinen halten wollen, doch macht es mir viele Freude, es ist auch etwas Wahres daran, wenn ein Lehrer durch den Schüler angeregt wird, so kann ich mit Fug mich den Deinen nennen (Waldstein 112).

Man sah hier auch die zweiseitige Freundschaft und die liebende Rücksicht, die die beiden Frauen hatten. Karoline schrieb viele Sonetten, Dramen, und Gedichte. Sie beschränkte sich aber nicht auf eine typische Gestalt. Sie zeichnete sich in dem lyrischen Gedicht mit Themen von der Liebe, Geschichte, dem Krieg und der Mythologie aus. Sie sah den Krieg als eine zerstörende Kraft aber auch als eine Möglichkeit sich auszudrücken, eine Art Unabhängigkeit, die die Zeit allen Frauen verweigerte. Die Kunst und das Leben woben sich durch das kurze Leben von Karoline. 1804 veröffentlichte Karoline unter dem Pseudonym, Tian, Gedichte und Phantasien. Es hatte die Ode, Darthula nach Ossian,die das Schicksal einer Kriegerin beschreibt. Sie wollte den Mut einer Heldin und wahrscheinlich auch die Furchtlosigkeit der Frau zeigen. In ihrem Gedicht, Liebe, schrieb Karoline über die Ambivalenz, die die Liebe und den Hass, der Schmerz und das Glück, und die Freiheit und die Unfreiheit hatte:

Liebe

O reiche Armuth! Gebend, seliges Empfangen:
In Zagheit Muth! In Freiheit doch gefangen.
In Stummheit Sprache,
Schüchtern bei Tage
Siegend mit zaghaftem Bangen.

Lebendiger Tod, im Einen sel'ges Leben
Schwelgend in Noth, im Widerstand ergeben
Genießend schmachtend,
Nie satt betrachten
Leben im Traum und doppelt Leben (Gutenberg.Liebe).

Karolines Dramen benützen auch viel Gewalt. Es gibt viele Szenen mit fürchterlichem Selbstmord, und die Leute werden in die Verbannung geschickt. Sie schrieb auch viele Szenen über das Vergnügen im Leben, aber sie benutzte diese Szenen um die Kraft, die Männer über die Frauen hatten, zu illustrieren. Sie sah in den Themen des Todes also eine zerstörende Kraft aber auch eine Hoffnungsstelle. Ein Brief an Gunda Brentano zeigte ihre Gefühle: "I am a women and have the desires like a man without men's power. That is why I am so torn up inside" (Frederiksen 87). Und in einem Brief schrieb Karoline einer Freundin im Jahr 1801:

I have no mind for feminine virtues, for feminine happiness. The wild, the great, the brillant things are what I love. There is an ill-fate incongruity in my soul; and it will and must remain that way, for I am a woman and have desires like a man, without the strength of a man (Blackwell & Zantop 219).

Wahrscheinlich sind es diese Gefühle, die sie in ihrem Brief beschreiben wollte. Sie wollte ein Leben wie ein Mann mit unendlicher Freiheit.

Karolines letzte Liebe

Im Jahre 1804 traf Karoline Friedrich Creuzer. Sie verliebte sich leidenschaftlich in ihn.Man sieht ihre Ergebenheit für ihn in diesem Brief, den sie im Jahre 1805 schrieb:

My whole life remains dedicated to you, beloved, sweet friend. In such surrender and in such unconditional love, I will always belong to you,live for you, and die for you. Love me always, too, beloved. Let no time,no circumstances come between us. I could not bear the loss of your love. Promise me never to leave me. Oh you, life of my life, do not forsake my soul. See, everything has become freer and purer for me since I renounced all earthly hope. The fierce pain has disolved into sacred melancholy. Fate has been conquered. You are mine beyond all fate. It cannot tear you away from me any more, now that I have wom you in this way (Blackwell & Zantop 426).

Diese Beziehung war sehr komplex und vielleicht auch am schädlichsten für sie. Er war ein verheirateter Professor in Heidelberg. Er war sehr häßlich, und dafür bekannt. Im Jahre 1806 schrieb Friedrich Creuzer einen Brief an Karoline, in dem er die Affäre abbrach. Am 26. Juli 1806 ging Karoline zum Rheinufer und trieb einen Dolch in ihre Brust. Sie sprang in den Fluß mit einem steingefüllten Umschlagtuch. Die bizarre Art und Weise ihres Todes sorgte für Aufsehen in der Öffentlichkeit. Karoline hatte ihre Brust vorher martiert und trug immer einen Dolch. Und Creuzer zerstörte Karoline doch ein zweites Mal, weil er ihr Werk Melete, nicht publizierte. Die Existenz dieses Werkes blieb bis 1896 unbekannt, als eine Kopie in Burg Neuburg entdenkt wurde. 1906 wurden vierhundert Kopien von Leopold Hirschberg herausgegeben.

Der Tod von Karoline

Dichter und Wissenschaftler suchen die Antwort über den Tot dieser jungen Frau. Bettina von Armin rief sie uns ins Gedächtnis zurück und liess uns das Ende Karolines Leben besser verstehen. Goethe fühlte ebenso einen großen Verlust. Friedrich Kittler dachte an ihren Tod als eine Metapher für die Beseitigung der gelehrten Frauen im Jahr 1800. Er hatte die Idee, daß Karoline eine gebrechliche und schwachsinninge Frau wäre, denn sie könnte ihr Schicksal nicht bestimmen. Christa Wolf schrieb im Jahr 1970 ein Buch Der Schatten eines Traumes, das den Kampf zwischen den historischen Frauen und ihrer unempfänglichen Gesellschaft diskutierte. Christa, eine ostdeutsche Autorin, entdeckte sie wieder, und hatte eine andere Idee über ihre Mentalität. Wegen der Forschung von Wolf über die Werke von Günderrode wurden viele Fakten und neue Theorien über den Tod von Karoline in den letzten Jahren aufgedeckt. Zum Beispiel fragte Wolf, wenn Creuzer ihr immer zuschrieb, in einer männlichen Art zu schreiben, wie könnte er auch sagen, daß sie eine schwachsinnige Frau sei. Karoline lebte in der Zeit einer getrennten Gesellschaft und getrennten Gedanken für beide Geschlechter. Wie könnte man sie als eine schwächliche Frau gelten lassen? Sie existierte in einer Zeit, als die Frauen keinen Wert in der männlichen Welt des Schreibens hatten. Wenn ein Gedanke ihr Leben erklären kann, ist es vielleicht der Folgende:

Günderrode was a woman caught between her own desires for individual understanding and the limitation blindly imposed upon her society,between her knowledge of the past and her bleak expectations for thepresent. Given such a situation, it is surprising that she could see no future for herself beyond a cold and lonely maturity within the cloister walls, and consequently committed suicide (Campbel, Comprehending a suicide?).

Karolines Literatur

Karoline von Günderrode schrieb drei Bände Poesie, Essays, zwei Dramen, fragmentarische Werke und legte einen Schriftverkehr vor. Sie repräsentierte eine typische Romantikerin mit ihrer Art und ihren Gedanken der Unabhängigkeit. Vielleicht sind ihre Werke für uns von großer Interesse, nicht nur weil sie Selbstmord begehen wollte, sondern weil sie ganz aus der Welt verschwinden wollte.


Bibliographie

  1. C. Campbel. The Karoline von Günderrode Pages. [http://www.reed.edu/~ccampbel/tkp/], November 1996.
  2. C. Campbel. The Karoline von Günderrode: Comprehending a Suicide. [http://www.reed.edu/~ccampbel/tkp/KvG/excursi/Suicide_Text.html], November 1996.
  3. C. Campbel. The Karoline von Günderrode: Woman, Mentor, Muse. [http://www.reed.edu/~ccampbel/tkp/KvG/excursi/WMM_Text.html], November 1996.
  4. C. Campbel. The Kassandra Project. [http://www.reed.edu/~ccampbel/tkp/], November 1996.
  5. Jörg Holle. "Karoline von Günderrode" in Deutsche Schriftsteller im Porträt, Band 3, Göres, Jörn, ed. München: Verlang C.H. Beck, 1980, p. 87.
  6. Edith Waldstein. "Goethe and Beyond: Bettine von Arnim's Correspondence with a Child and Günderrode" in In the Shadow of Olympus: German Women Writers Around 1800, Goodman, Katherine R. and Waldstein, Edith, ed. New York: State University of New York Press, 1992, pp. 95-114.
  7. Jeannine Blackwell and Susanne Zantop. Bitter Healing: German Women Writers from 1700 to 1830, An Anthology. Nebraska: University of Nebraska Press,1990, pp. 419-72.
  8. Liebe. [http://gutenberg.aol.de/guendero/gedichte/liebe.htm]