GER 341: German Literature
Oregon State University
December 2, 1999

E.T.A. Hoffmann (1776-1822)

von Sarah Cook


Ernst Theodor Wilhelm (Amadeus) Hoffmann ist einer der bekanntesten Autoren der Romantik. Heute ist sein Märchen Nüßknacker und Mäusekönig (1816) am meisten bekannt. Er hat aber auch andere Märchen, Romane und Essays geschrieben und Musikstücke komponiert.

Er wurde in Königsberg, Preussen geboren (heutig Kalingrad, Rußland). Als er nur zwei Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Er ging mit seiner Mutter zu seinen Grosseltern. Seine Tanten und Onkel übernahmen einen grossen Teil von seiner Erziehung wegen der Unstabilität seiner Mutter. Er wurde zum grössten Teil von seinem Onkel Otto Wilhelm Doerffer (1741-1811) erzogen. Sein Onkel war nicht ganz bereit ein Kind zu erziehen, und ihm wurden von dem jungen Hoffmann viele Streiche gespielt.

In dem Haus seines Onkels hatte Hoffmann seine ersten Begegnungen mit der Musik, Literatur und Kunst. Onkel Otto war Musiker, und Leute kamen oft zu ihm um Musik zu spielen. Hoffmanns einsame Kindheit und Erfahrungen mit der Musik und Kunst gaben Hoffmann eine starke Phantasie. Diese Phantasie ist eine der Charaktaristiken, die seine Werke einzigartig machen.

In seiner Jugend kultivierte er eine Freundschaft mit Theodor Gottlieb Hippel (1775-1843). Zusammen schrieben und malten die zwei Jungen. Später wurde Hippel wichtig für Hoffmann als Konfidant und Kritik.

Ernst Theodor studierte Jura an der Universität Königsberg. Er tat, was nötig war, um durch die Uni zu kommen, aber zeigte kein grosses Intresse dafür. Als er an der Uni war, fing Hoffmann mit seiner Reihe Affären an. Zuerst kam Dorthea Hatt (1766-1803), eine verheiratete Frau, die neben Hoffmann wohnte. Er erteile ihr Musikunterricht. Sie gab Hoffmann die Inspiration, um zwei Romane zu schreiben. Als er sein Studium beendete, wurde die Affäre peinlich für seine Famlie. Aus diesem Grund, und weil er woanders seine Berufsmöglichkeiten erweitern wollte, zog er nach Glogau, wo sein Onkel Johann Ludwig Doerffer (1743-1803) wohnte.

Er mochte eine Tochter seines Onkels, Wilhelmina (1775-1853), und sie wurde seine zweite Affäre. Sie verlobten sich, aber nach seinem zweiten Examen folgte Hoffmann seinem Onkel nach Berlin, um für das preussische Kammergericht als Referendar zu arbeiten. Während seines Aufenthalts in Berlin entwickelte er seine künstlerische Seite wieder. Er traf sich mit bekannten Personlichkeiten der Literatur, Musik und Kunst und komponierte ein Singspiel, Die Maske (1799).

Im Jahr 1800, nach seinem dritten Examen, wurde er zum Assessor befördert. Er ging nach Posen (heutig Poznan, Polen). In Posen hatte Hoffmann nicht so viel Kontakt mit der Welt der Kunst, aber er komponierte das Singspiel Scherz, List, und Rache (1801) (nach dem Text von Goethe). Von den Augen der Doerffers entfernt, ging er oft mit jungen Freunden aus und begegnete einer polischen Frau, seiner dritten Affäre, Marianna Thekla Michaelina Rorer-Trzcinscka (1778-1859). Er hatte aber keine Absicht sie zu heiraten.

In der Faschingszeit 1802 malte Hoffmann ein paar Karikaturen der preussischen Regierung und verlor deswegen seine Stellung. Er zog mit der polische Frau, Michaelina, nach Plock, wo sie am 26. Juli 1802 heirateten. In Plock war es noch einsamer als Posen, und Hoffmann nahm die Chance wahr, weiter zu schreiben und komponieren. Er komponierte Stücke für Klavier und Kirchenmusik, aber niemand wollte die Stücke veröffentlichen.

Nach zwei Jahren in Plock ging Hoffmann nach Warschau, wo es wieder kulturelle Möglichkeiten gab. Er bekam die Stellung als Musikleiter, Komponisten und Dirigenten bei der Deutschen Musikalischen Gesellschaft. Auf der literaturischen Seite traf er sich mit berühmten Autoren seiner Zeit (z.B. Tieck, Schlegel, Novalis, Brentano).

Im Herbst 1806 marchierte Napoleon in Warsau ein, und Hoffmann wurde wegen der Besatzung Napoleons arbeitslos. Die Leute, die für die Regierung arbeiteten, hatten plötzlich keine Arbeit mehr. Weil er zu dieser Zeit so wenig Geld hatte, mussten Michaelina und ihre kleine Tochter zurück nach Posen ziehen. Er ging nach Berlin und suchte nach Arbeit. Leider gab es viele arbeitslose Beamte wie Hoffmann, aber er bewarb sich bei Theatern und um Musikstellungen, bis er 1808 beim Bamberger Theater aufgenommen wurde.

Weil seine finazielle Situation besser aussah, holte er Michaelina auf dem Weg nach Bamberg ab. Leider war seine kleine Tochter, während Michaelina und das Baby in Posen waren, gestorben. In dieser Zeit änderte er seinen Namen von Wilhelm auf Amadeus, weil er Wolfgang Amadeus Mozart so sehr bewunderte. Nach seinem ersten Auftritt als Kapellmeister kriegte er solche schlechte Kritiken, dass er seine Stellung aufgab. Er blieb aber Musikleiter. Er schrieb Ritter Gluck (1809) in Bamberg, das war das erste seiner Werke, das ihn bekannt machte. Um genug Geld zu verdienen, gab Hoffmann privaten Musikunterricht. Dadurch kam seine vierte „Affäre", diesmal mit der zwölfjährigen jüdischen Julia (Julchen) Marc. Am Anfang war es ein ganz normales Verhältnis, aber später wurde es eine Leidenschaft (aber nur von seiner Seite aus.) Durch die Eltern Julias und andere Leute, die er unterrichtete, kam er in die hohe Gesellschaft. In dieser Zeit schrieb er Des Kapellmeisters Johannes Kreislers musikalishe Leiden (1810). In dieser Geschichte liess er seine Frustrationen aus, weil er nicht so sehr in der guten Gesellschaft verkehren durfte. Er fühlte sich immer noch unter ihnen.

Er befreundete den Onkel und den Cousin Julias, die beide Ärtzte waren. Sie sind diejenigen, die Hoffmann über psychologische Krankheiten informierten. Ironischerweise litt Hoffmann unter dieselben psychologischen Krankheiten in seiner Leidenschaft für Julchen. Als Julia sich mit einem Mann, der nur vier Jahre jünger als Hoffmann war, verlobte, war Hoffmann der grösste Kritiker ihrer Beziehung. Eines Nachts, als Julias Bräutigam besoffen wurde, fiel er auf das Gesicht hin, und Hoffmann sagte, dass er unfähig für die Ehe wäre. Die Mutter Julias verbot Hoffmann, Julia zu sehen. Danach schrieb Hoffmann Don Juan (1812), nach Mozarts Oper Don Giovanni (1787), und Nachricht von den neusten Schicksalen des Hundes Berganza (1813), die zum Teil seinen Konflikt mit Julchens Bräutigam zeigten.

Er ging im Jahr 1813 nach Leipzig und Dresden als Kapellmeister. Dort schrieb er Der Magnetiseur (1813), Der goldene Topf (1814), und Die Elixiere des Teufels (1815), alle drei haben auch zum Teil etwas mit Julchen zu tun. Seine Stellung an den neuen Theatern ging auch schlecht, und er wurde wieder arbeitslos. Fast wie vom Schicksal bestimmt, traf er Theodor Hippel, der ihm ein Stellung im Staatsdienst in Berlin anbot. Hoffmann sah die Chance wieder in der Welt der Kunst zu sein, und er nahm es an. Als er 1814 in Berlin ankam, war er schon wegen seiner Fantasiestücke (1814) berühmt. In Berlin schrieb er Nachtstücke (1816, 1817). Sein erster Erfolg als Musiker kam in Berlin. Die Berliner fanden seine Oper Undine (1813) genial. Während Undine auf der Bühne gespielt wurde, ging Hoffmann zum Kammergericht als Rat. Er wollte aber nicht so viel beruflich unternehmen, weil er noch viel mit der Musik und Literatur zu tun haben wollte. Der Erfolg von Undine brachte ihn in die hohe Gesellschaft. In seiner Berlinzeit schrieb er Ein Brief an Foquè (Rat Krespel) (1816) und Die Fermate (1815). Er schrieb auch Kinder-Märchen (1817), in dem Nußknacker und Mäusekönig (1816) und Das fremde Kind (1817) stehen. Dann schrieb er Meister Martin der Küfner und seine Gesellen (1818) die eine historische Geschichte ist. Dann verfasste er einen Krimi, Das Fräulein von Scuderi (1818).

Im Jahr 1819 schrieb Hoffmann satirisch in seinem autobiographischen Stück Lebensansichten des Katers Murr (1819, 1821) über die absolutistische Regierung, die wieder in Deutschland nach Napoleon zurückkam. Die Geschichten Die Brautwahl (1818), Die Geheimnisse (1821), Irrungen (1820), Die Königsbraut (1821), und Meister Floh (1822) sind auch Satire gegen die Regierung. Er schrieb später Prinzessin Brambilla (1820), Die Doppeltgänger (1822), Haimatochare (1819) und Datura fastuosa (1821) die alle noch satirisch sind, aber erotischer, wie seine früheren Werke.

Des Vetters Eckfenster (1822), eines von Hoffmanns letzten Werken, beschreibt einen Mann, der alles aus seinem Fenster beobachtet und daraus eine Phantasie macht. Der Mann und seine Ideen sind Hoffmann und seiner Schreibphilosophie sehr ähnlich. Kurz nachdem er diese Geschichte zu Ende schrieb, starb er am 25. Juni 1822 an Lähmung.

In Deutschland während des Lebens Hoffmanns war die Romantik eine grosse Bewegung in Gedanken, Musik, Kultur und Literatur. In dieser Zeit war Musik oft im Mittelpunkt. Hoffmanns Des Kapellmeisters Johannes Kreislers musikalishe Leiden verbindet den Musiktrend mit der Literatur. Johannes Kreisler, die Hauptfigur in dieser Geschichte ist „…a figure worthy to stand beside Faust, Werther and Don Juan" (Taylor 38).

Wegen des Amtes Hoffmanns hatte er einen inneren Blick in die Regierung in Deutschland nach Napoleon. Seine satirischen Werke über diese Zeit hatten auch Einfluss auf die Gedanken des deutschen Volkes. In seinem Amt arbeitete er im Jahr 1819 bei einer Kommission, die „demagogischen Aktivitäten" untersuchte. Er war ein starker Advokat für viele Leute, dessen Meinungen unterdrückt wurden.

Das Leben Hoffmanns war voller Ironie. Er hatte einen einzigartigen Schreibsstil, obwohl er für lange Zeit glaubte, er würde als Komponist berühmt werden. Er sagte einmal, dass er zu viel Realität hätte um Romantiker zu sein, aber die Charaktere in seinen Werken sind oft labil und auch manchmal wahnsinnig.

Hoffmann beeinflusste Literaturfiguren und Musiker. Richard Wagner, der grosse Komponist, war von den Werken Hoffmanns inspiriert. Er komponierte Tannhäuser und Die Meistersinger von Nürnberg nach Geschichten von Hoffmann. Man merkt in Werken vom amerikanischen Autor Edgar Allen Poe, dass er auch von Hoffmann beeinflusst war. Nach Hoffmanns Tod verlor das deutsche Volk Interesse an seinen Werken, aber im Aussland wuchs es. Er liess hinter sich den Ruf, ein geschikter Erzähler der Phantasie zu sein.


Literaturverzeichnis
  1. James M. McGlathery. E.T.A. Hoffmann. New York: Twayne Publishers, 1997.
  2. Ronald Taylor. Hoffmann. London: Bowes & Bowes Publishers Limited, 1963.
  3. Unknown author, „MM706 Germany in America: The Influence of German Culture on American Thought." [http://www.catalogue.loyola.edu/graduate/artsandsci/modernstudies/courses/MM706.html], November 1999.
  4. Unknown author, „E.T.A. Hoffmann- biographische Daten und Entstehungssituation des „Goldnen Topfes."" [http://www-public.rz.uni-duesseldorf.de/daffert/hypertext/mythos/eta01.htm], October 1999.