GER 342: German Literature
Oregon State University
March 6, 1997

Georg Büchner
1813- 1837

von Stephen Paddon

Karl Georg Büchner wurde am 10.17.1813 in der kleinen Stadt Goddelau geboren. Der Vater und der Grossvater Georg Büchners standen als Ärzte in den Diensten der hessischen Fürsten. Als er drei Jahre alt war, zog die Familie Büchner nach Darmstadt. Er lebte im Schatten des nahen Frankreich, des Mutterlandes der modernen Demokratie, das gestern noch der politische Herr des deutschen Südens gewesen war (Viëtor 9). Hier im deutschen Südwesten wuchs Georg auf. Es gab hier die liberale Bewegung und viele linke Strömungen. In den Landtagen von Baden und Hessen begann der politische Wille des deutschen Bürgertums sich zu organisieren. Hier wuchs Büchner in einer solchen Umwelt auf, die von verschiedenem politisichem Denken erfüllt war.

Im Oktober 1831 ging Büchner wieder nach Strassburg, um Medizin zu studieren, wie sein Vater. Dort lebte er bei einem Prediger, Johann Jakob Jaegle. In Strassburg trafen sich damals die französischen und deutschen Verschwörer. Hier sah er sich in eine politische Bewegung hineinversetzt. Büchner fand dort Freunde unter den Theologen und Medizinern, wie zum Beispiel Willhelm Ströber, Gustav Schwab und Eduard Reuss. Die Freunde Büchners, die aus der strassburger Intellektuellenszene kamen, hatten einen grossen Einfluss auf die Zukunft Büchners und sein Werk. Die meisten fanden sich im Gefängnis wegen ihrer politischen Ideen. Büchner kam auch fast ins Gefängnis und hatte deshalb Angst davor.

Meine Zukunft ist so problematisch, dass sie mich selbst zu interessieren anfängt, was viel heissen will. Zu dem subtilen Selbstmord durch Arbeit kann ich mich nicht leicht entschliessen;...(Knight 27).
Eine Krankheit zwang ihn, wieder nach Darmstadt zurückzugehen. Später würde er seine Zeit in Strassburg so beschrieben: das waren “zwei glückliche Jahre”. Nach ein paar Monaten ging Büchner nach Giessen, wo er 1834 das Buch Der Hessische Landbote schrieb, das ihn an den Anfang seiner politischen Verfolung brachte. In Giessen schloss er sich der radikalen Freiheitsbewegung an und gründete 1834 die Gesellschaft für Menschenrechte.

Die schlechte Gesundheit spielte eine wichtige Rolle im Leben Büchners. Er schrieb über die Zeit, in der er wieder nach Darmstadt fahren musste, wie es damals war:

Zu Ende Oktobers ging ich von hier nach Giessen. Fünf Wochen brachte ich daselbst halb im Dreck und halb im Bett zu. Ich bekam einen Anfall von Hirnhautentzündung; die Krankheit wurde im Entstehen unterdrückt, ich wurde aber gleich wohl gezwungen, nach Darmstadt zurückzukehren, um mich daselbst völlig zu erholen (Knight 32).
Man könnte sagen, dass der Einfluss seiner schlechten Gesundheit ein Grund war, warum er viele Werke in einer kurzen Zeit schrieb. In diesem Jahre schrieb er, als ob er wüsste, dass er nicht mehr lange leben würde.

Die meisten (und besten) Werke Büchners stammten aus den letzten zwei Jahren seines Lebens. In Der Hessische Landbote, einer Flugschrift, erklärt Büchner seine politischen Ziele. Das Werk war eine Flugschrift, die sehr gefährlich war.

Wer die Wahrheit sagt, wird gehenkt; ja sogar der, welcher die Wahrheit liest, wird durch meineidige Richter gestraft
schrieb er darin. Das Werk ist ein Übersetzung für die Steuerzahler. In dieser Flugschrift erklärt er, was sie für ihre Steuer bekommen. Die Flugschrift ist so modern geschrieben, dass der Stil genau wie solche politischen Werke heute ist.

Büchner schrieb auch Dramen, von denen zwei heute sehr berühmt sind: Danton’s Tod und Woyzeck. Die beiden waren ganz modern für die Zeit, seine Ideen über den Naturalismus und den Realismus sind noch heute einflussreich. Danton’s Tod ist eine Geschichte aus der französichen Revolution, die über den Konflikt zwischen Danton und Robbespierre berichtet. Der zentrale Punkt dieser Geschichte ist, dass die Revolution sich selbst frässe. Aus diesem Grund glaubte Büchner nicht, dass eine Revolution in Deutschland etwas Besseres bringen würde. Seine Meinung war nur, dass sich die Gesellschaft unter allen Umständen ändern muss.

Wo die Notwehr aufhört, fängt der Mord an; ich sehe keinen Grund, der uns länger zum Töten zwänge
erzählt Büchner durch Danton.

Woyzeck ist eine Tragödie und eines der besten Werke Büchners. Der literarische Stil von Woyzeck ist ziemlich so wie der von Dostoevskys Verbrechen und Strafe. Woyzeck ermordet eine Frau, und das Gericht zweifelte an seinen Verstand. In diesem Werk sehen wir die tiefe Moral Büchners.

Aber Büchners Ideen waren zu modern für seine Zeit. Die Sprache in seinen Werke war grob und unmoralisch, aber Büchner behauptete, sie sei wie die normale Sprache in dieser Zeit. In einem Brief an seine Familie schrieb er

...Wenn man (unmoralische Sachen nicht sehen) wollte, dürfte man keine Geschichte studieren, weil sehr viele unmoralische Dinge darin erzählt werden, müsste mit verbundenen Augen über die Gasse gehen, weil man sonst Unanständigkeiten sehen könnte, und müsste über einen Gott Zeter schreien, der eine Welt erschaffen, worauf so viele Liederlichkeiten vorfallen. Wenn man mir übrigens noch sagen wollte, der Dichter müsse die Welt nicht zeigen, wie sie ist, sondern wie sie sein solle, so antworte ich, daß ich es nicht besser machen will als der liebe Gott, der die Welt gewiß gemacht hat, wie sie sein soll (Bergemann 511).
Hier sehen wir die arrogante und mutige Haltung Büchners gegenüber der Autorität dieser Zeit. Aber er lebte in Angst wegen seiner Ideen, die ihn immer wieder fast ins Gefängnis brachten.

Büchners Werk war umstritten, besonders wegen seiner starken Sprache und seines radikalen politischen Denkens. Büchner verteidigte sich gegenüber seinen Kritiken durch eine schöne und starke Sprache und erzählte, dass Dichter keine Lehrer der Moral seien.

Meine Meinung dazu ist, dass seine politischen Ideen konservativer geworden wären, wenn er länger gelebt hätte, wie Tolstoy oder Dostoevsky. Er glaubte, dass er nicht ein Teil der literarischen Gruppe der Jungdeutschen sei. Er wollte die soziale Struktur in Deutschland ändern und verbessern, aber er glaubte nicht, dass seine Ziele durch Revolution durchsetzbar wären. In einem Brief an seine Braut schrieb Büchner:

Ich gewöhnte mein Auge ans Blut. Aber ich bin kein Guillotinenmesser. Das Muss ist eins von dem Verdammungsworten, womit der Mensch getauft worden. Der Ausspruch: es muss ja Ärgernis kommen, aber wehe dem, durch den es kommt - ist schauderhaft. Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt? Ich mag dem Gedanken nicht weiter nachgehen (Bergemann 520).
Für ihn war der Kampf um die Freiheit und die Vorherrschaft des Volkes immer mehr eine Hauptaufgabe Deutschlands, aber er mochte das Blut einer Revolution nicht.

Georg Büchner starb am 19. Februar 1837 in Zürich. Aber sein Einfluss ist noch heute in der modernen Literatur spürbar.


Bibliographie

  1. Fritz Bergemann. Georg Büchner, Werke und Briefe. Wiesbaden: Insel-Verlag, 1958, pp. 511-520.

  2. A. H. J. Knight. Georg Büchner. Oxford: Basil Blackwell, 1951, pp. 6-17.

  3. William C. Reeve. Georg Büchner. New York: Fredrick Ungar Publishing Co., pp. 1-9.

  4. Karl Viëtor. Georg Büchner: Politik, Dichtung, Wissenschaft. Bern: A. Francke AG. Verlag, 1949, pp. 96-103.