GER 342: German Literature
Oregon State University
March 6, 1997

Theodor Storm
1817 - 1888

von Mary Barker

Hans Theodor Woldsen Storm wurde am 14. September 1817 in der kleinen Stadt Husum an der westlichen Küste des Herzogtums Schleswig geboren. Zu dieser Zeit waren Schleswig und Holstein Teile der dänischen Gesamtstaat. Er war der älteste von dreizehn Kindern von Johann Casimir und Lucie Woldsen Storm. Nur sechs Kinder überlebten, bis sie erwachsen waren. Seine väterlichen Vorfahren waren Plattdeutsche, und die Familie hatte seit vielen Generationen die Mühle in Westermühlen, nicht weit von Husum, verwaltet. Sein Vater war ein hochgeachteter Rechtsanwalt in der Stadt, der auf Plattdeutsch zu sprechen beharrte, als Hochdeutsch schon das Kennzeichen der Gebildeten und der Berufsmenschen geworden war. Über die Jahre vergrößerte er sein Besitztum, und 1840 wurde er von dem dänischen König zum Mitglied des Dannebrogordens ernannt. Storms Vater war Rationalist, und nie besuchte er die Kirche. Dafür lobte Storm ihn in späteren Jahren. Er las nur historische oder gesetzliche Bücher, und mißbilligte die schriftstellerische Tätigkeit seines Sohnes.

Die Familie seiner Mutter kam ursprünglich aus Friesland, aber seit Jahrhunderten gehörte die Woldsen Familie zur Aristokratie Husums. Obgleich von Eduard Mörike als eine Frau mit einer Persönlichkeit "so klar, so leuchtend, so erregend zu Liebe" (Eisenhardt 214) beschrieben, war es Storms Mutter fast unmöglich, Liebe zu demonstrieren. In einem Brief an Emil Kuh schrieb Storm 1873, daß er sich nicht daran errinnern könnte, daß sie ihn je geküßt oder umarmt habe ( Jackson 21). Er hungerte nach Liebe und versuchte von seiner Großmutter, seiner Urgroßmutter, und besonders von Magdalena Jürgens Liebe zu finden. Magdalena wurde später der Charakter Lena Wies in seiner Novelle dieses Namens. Seine Liebe für sie beeinflußte seine lebenslange Sympathie für die kleinen Leute. Er war auch seiner jüngeren Schwester, Lucie, mit der er ein Bett teilte, sehr zugetan. Ihr Tod, im Alter von nur acht Jahren, bewegte ihn, sein erstes Gedicht zu schreiben. Der Meinung Jacksons nach beeinflußte seine Beziehung zu seiner Schwester wahrscheinlich die Tatsache, daß er sich später immer wieder mit der Blutschande beschäftigte.

Bis 1835 besuchte Storm die Gelehrtenschule in Husum. In diesem Jahr ging er nach Lübeck, um das Katharineum Gymnasium zu besuchen, wo er anderthalb Jahre blieb. Von 1837 bis 1842, außer drei Semestern in Berlin, studierte er Jura in Kiel. Sein erster Eindruck vom Studentenleben war sehr negativ. Er teilte alle Studenten in zwei Kategorien: die trinkenden, duellierenden Burschenschaftsmitglieder mit ihren Freundinnen, und die anderen, die nur studierten und alles andere vergaßen. Diese Feindseligkeit den anderen Studenten gegenüber ist in einer seiner ersten Novellen, Immensee (1849), und später in Auf der Universität (1863) zu sehen. Immensee ist eine Geschichte von unerfüllter Liebe, die augenblicklich ein Bestseller wurde. Nach seiner Rückkehr aus Berlin interessierte er sich für die Literatur. Er hatte in Lübeck Goethe, Heine, und Eichendorff gelesen, und jetzt nahm er sich auch als Vorbild Eduard Mörike. Noch dazu wurde er ein Freund von Theodor Mommsen und seinem Bruder, Tycho. Wahrscheinlich war es Mommsen, der Storm den Jungen Deutschen vorstellte. Er las einige dieser Schrifsteller, aber er sagte, daß im Vergleich zu Mommsen oder Fontane er apolitisch sei. Er würde politische Dichtkunst vermeiden, außer sie sei wegen der augenblicklichen politischen Lage besonders angebracht. Storm und die zwei Mommsens veröffentlichten 1843 Das Liederbuch dreier Freunde, das einundvierzig Gedichte von Storm enthielt. Die meisten waren Liebeslyrik, die auch ein Gefühl von Ergebenheit ausdrückte.

Während dieser Jahre in Kiel erlebte Storm seine erste Liebschaft. Als er noch in Lübeck war, hatte er Weihnachten 1836 mit Verwandten in Hamburg verbracht. Freunde von der Kusine seiner Mutter wurden auch eingeladen. Unter ihnen waren Therese Rowohl und ihre Pflegetochter, Bertha von Buchan. Bertha hatte nach dem Tod ihrer Mutter mit der alten Frau, Therese Rowohl, gelebt. Obwohl Storm neunzehn Jahre alt war und Bertha nur elf, verliebte er sich auf den ersten Blick in sie. In den nächsten Jahren korrespondierten sie, obwohl sie einander nicht oft sehen konnten. Er schrieb auch an Therese, die die Beziehung nicht genehmigte. Wegen ihrer Mißbilligung wurde Storm deprimiert, und im Mai 1841 drückte er seine Hoffnungslosigkeit in dem Gedicht, Schlußlied aus:

       Warum ich traure alle Zeit
       Und wandle all Zeit stumm?
       Ich trag' im Herz ein stilles Leid
       So schwer mit mir herum.

       Was hilft's, daß ich dem Gram vertrau',
       Der still mein Herze bricht,
       Verstehen kannst du's nimmermehr
       Und helfen kannst du nicht.

       Verstehen würdst du nimmermehr
       Das Leid, das mir geschehn,
       Ach, die mein Herz gebrochen hat,
       Kann's selber nicht verstehn. (Wooley 36)
Als er sich auf seine Juraprüfung im October1842 vorbereitete, schrieb er an Bertha und bettelte sie an, ihn zu heiraten. Sie war jetzt erst sechszehn Jahre alt. In ihrer Antwort schrieb sie,
Das Wort zu sprechen, was Du von mir erwartest, ist wahrlich nicht so leicht für mich als Du zu glauben scheinst. Und wenn Du es recht erwägen willst, so wirst Du mir recht geben, daß ich noch viel zu jung bin, um mit Ernst einen solchen Gedanken in mir aufzunehmen, wie vielmehr einen Schritt zu tun, an dem mein ganzes Leben hängt. (Wooley 36)
Er konnte sich nicht von Bertha loslassen. Im nächsten Jahr schrieb er ihr zur Ehre ein Gedicht, Wir sassen vor der Sonne, das mit diesen Wörtern endet: "Ich will keine Blätter und Blumen, / Ich will dich selber, die Holde" und später schickte er ihr eine Kopie vom Liederbuch Dreier Freunde mit einem Gedicht über Verabschiedung auf dem Vorsatzblatt:
       Du weißt es, alle, die da sterben,
       Und die für immer scheiden gehn,
       Sie müssen, wär's auch zum Verderben,
       Die Wahrheit ohne Hehl gestehn,
       So leg' ich's denn in deine Hände,
       Was immer mir das Herz bewegt;
       Es ist die letzte Blumenspende,
       Auf ein geliebtes Grab gelegt. (Wooley 39)
Im Januar 1844 verlobte er sich mit seiner Kusine, Constanze Esmarch, die auch eine Kopie vom Liederbuch bekam. Über seine ehemalige Liebe für Bertha schrieb er: "Ernstlich, meine Constanze, was willst Du in meinem Liederbuche lesen, wie ich früher einmal ein tiefes starkes Gefühl unerwidert verschwendet? Es kann dir nicht angenehm sein"(Wooley 40). Storm sah Bertha nur noch einmal im August 1860. In seinem Tagebuch schrieb er: "Freitag war Friederikes Geburtstag, zu dessen Feier Bertha und Therese anhier gelangten. Meine alte Flamme sah wirklich recht hübsch und interessant aus und war auch nett und liebenswürdig gegen mich, obgleich ein Etwas in mir in ihr die fromme, selbstgerechte alte Jungfer herausfühlte. Himmel, wenn das meine Frau geworden wäre!" (Wooley 40) Bertha heiratete nie, lebte ihre letzten Jahre mit einer jüngeren Frau, und starb 1903.

Storm war im Februar 1843 nach Husum zurückgegangen, und da etablierte er sich als Rechtsanwalt. Er wollte Constanze heiraten, aber ihre beiden Väter verlangten, daß sie wenigstens zwei Jahre warten sollten. Während dieser Zeit schrieben sie sich viele Briefe, und Storm kritisierte Constanzes Briefe, wenn sie Fehler im Buchstabieren oder in der Grammatik machte, oder wenn die Briefe nur Triviales enthielten! Wenn ihre Briefe zu spät kamen, oder sie nicht genug über ihre unsterbliche Liebe schrieb, wurde Storm unsicher um ihre Liebe, und um die Liebe im allgemeinen. Diese Unsicherheit quälte ihn bis zum Tod Constanzes.

Endlich im Jahr 1846 heirateten die beiden, aber nicht in der Kirche, wie das Gesetz forderte. Storm lehnte das Christentum ab, und weigerte, sich die Hochzeit in der Kirche zu feiern. Er glaubte, daß die Liebe selbst göttlich sei, und daher sei die Kirche unnötig. Er fand eine öffentliche Hochzeit, um eine solche heimliche Vertraulichkeit zu feiern, barbarisch. Er bezahlte eine Gebühr, um eine besondere Erlaubnis zu bekommen, die Hochzeit im Haus des Vaters von Constanze in Segeberg zu feiern. Niemand von seiner Familie war anwesend. Auf dieser Weise konnte er gegen das Establishment kämpfen. Wenn er diese Ideen in seinem Schreiben ausgedrückt hätte, hätten die Leute gesagt, daß er die Religion und die Moral vernichte.

Kurz nach der Ehe verliebte sich Storm hitzig in eine andere Frau, Doris Jensen! Sie versuchten diese Liebschaft geheim zu halten, aber in der kleinen Stadt Husum war das fast unmöglich. Doris konnte den Druck nicht aushalten, und zum Schluß verließ sie die Stadt. Storm erzählte Constanze von seiner Untreue, und sie sagte ihm großmütig, wenn sie vor ihm sterben solle, daß er Doris heiraten solle!

Dennoch waren die Jahre 1843-1853 in Husum die glücklichsten in Storms Leben. Er war wieder in seiner geliebten Heimat, und hier wurden drei Söhne geboren. Hier blühte auch seine Lyrik. Nach Eisenhardt waren die Gedichte, die er zu dieser Zeit in Husum schrieb, seine Besten. Obwohl er Heine, Eichendorf und Mörike las und verehrte, sagte er, daß er "niemals ihr Nachahmer" sei (Berron 2). Seinen Beruf als Advokat sah er nicht als Hindernis zu seinem Schreiben, und er sagte: "Mein richterlicher und poetischer Beruf sind meistens in gutem Einvernehmen gewesen, ja ich habe es oft sogar als eine Erfrischung empfunden, aus der Welt der Phantasie in die praktische des reinen Verstandes einzukehren und umgekehrt" (Berron 2). Er war auch sehr musikalisch, hatte eine schöne Tenorstimme, und gründete einen Gesängverein.

Storm veröffentlichte 1852 die erste Ausgabe seiner Gedichte, betitelt einfach Gedichte. Dieses Buch demonstrierte den lyrischen Glauben, den er in späteren Jahren ausarbeitete. Um den vollen Eindruck davon zu gewinnen, soll man das Buch von Anfang bis zum Ende lesen. Jedes Gedicht war das Produkt von einem bestimmten Erlebnis und wurde von einem starken Gefühl begleitet. In seiner Poesie zog Storm das Volksliedstrophe mit abwechselndem Reimschema und jambischem Metrum vor. Die Themen seiner Gedichte waren die Liebe, die Natur, die Flüchtigkeit des Lebens und der Tod. Man kann seinen Materialismus in seiner Dichtkunst auch sehen, obwohl er versuchte, auch über das Seelische im Leben zu schreiben. Das Seelische war für ihn "die unbedingte Liebe", einschließlich die Liebe zu der Familie und zu dem Vaterland. In diesem ersten Buch steht das Gedicht, das ihm Ruhm brachte und seine Heimatstadt unsterblich machte, Die Stadt. Bis auf den heutigen Tag heißt Husum "die graue Stadt am Meer".

       Am grauen Strand, am grauen Meer
       und seitab liegt die Stadt;
       der Nebel Drückt die Dächer schwer,
       und durch die Stille braust das Meer
       eintönig un die Stadt.

       Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
       kein Vogel ohn Unterlaß
       die Wandergans mit hartem Schrei
       nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
       am Strande weht das Gras.

       Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
       du graue Stadt am Meer:
       der Jugend Zauber für und für
       ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
       du graue Stadt am Meer.  (Berron 3) 
Die umliegende Gegend ehrte Storm auch in seinen Schriften, und heutzutage ist das Gebiet um Husum "Das Land des Schimmelreiters" nach Storms letzter Novelle gennant.

Mit den Revolutionen 1848 in Europa kam politische Unruhe auch in die Herzogtümer Schleswig und Holstein. Nach einem vergeblichen Kampf um die Freiheit wurden die Herzogtümer von Dänemark überwältigt. Storm wurde ein Feind von der dänischen Herrschaft und führte öffentlich fort, seine deutschen Gefühle auszudrücken. Zuletzt wurde seine Jura-Erlaubnis nicht erneuert, und er wurde gezwungen, Husum zu verlassen. Er zog 1853 mit seiner Familie nach Potsdam. Obwohl er sich im preussischen Recht nicht auskannte und noch dazu er die preussische Regierung verachtete, nahm er eine Stelle als Richter an. Die Besoldung war sehr schlecht, und Storm mußte seinen Vater um finanzielle Hilfe bitten.

In Berlin lernte Storm das kulturelle und intellektuelle Leben in den literarischen Salons kennen. Die Menschen dort hießen ihn willkommen als Erotiker, und er ergriff die Gelegenheit, seine Gedichte und seine Theorien über die Dichtkunst zu verbreiten. Theodor Fontane erkannte Storms Talent als Lyriker und war großmütig in seinem Lob, obgleich er von Storms Novellen nicht so begeistert war. Auf der anderen Seite wollte Storms Verleger Novellen, die sich an Frauen wendeten. Während der drei Jahre in Potsdam war sein Schreiben nicht so gut wie früher. Mit der Berliner Gesellschaft war er nicht ganz zufrieden, und er schrieb Fontane: "Es ist, meine ich, daß auch in den gebildeten Kreisen man den Schwerpunkt nicht in die Persönlichkeit, sondern in Rang, Titel, Orden and dergleichen Nipps legt" (Jackson 81).

Nach Heiligenstadt im Südwesten Deutschlands wurde er 1856 versetzt. Hier auch war Geld ein Problem, und wieder mußte er seinen Vater um Hilfe bitten. In diesen Jahren wurden sein Dichten auf zweite Stelle geschoben, weil er sich auf die Prosa konzentrierte. In den Novellen aus diesen Jahren stellte er sich scharf auf psychologischen Probleme ein, während seine früheren Werke eher Vignetten aus dem alltäglichen Leben waren. Die Novelle Im Schloß (1863) handelt sich um eine aristokratische Frau, die sich in den Hauslehrer ihres Bruders verliebt. In der Geschichte griff Storm den unbefugten Status und die Macht der Aristokratie an. Dieses Thema wird oft in seiner Novellen wiederholt. Zu dieser Zeit schrieb er außer den Novellen auch einige Märchen. Eins von diesen, Die Regentrude, wird von Eisenhardt als eines der besten Werke der deutschen Literatur betrachtet.

Zuletzt zog Storm 1864 nach Husum zurück, wo er den Amt des Landvogts erhielt. Friedrich VII. von Dänemark war gestorben, und die deutschen Schleswig-Holsteiner hofften wieder auf die Freiheit. Aber es sollte nicht sein. Die Herzogtümer wurden zu einer preussischen Provinz. Im Mai 1865 verlor Storm auch seine Frau, die kurz nach der Geburt ihres siebten Kindes starb. Storm wurde verzweifelt. Für ihn war eheliche Liebe ein Kult, durch den man die Einsamkeit von dem Individuum besiegen könnte. Er konnte nicht mit diesem schrecklichen Ereignis fertig werden. Er hatte jetzt vier kleine Töchter und drei ältere Söhne, die nicht so bewunderswerte Jugendliche waren. In den nächsten Jahren brachten ihm seine Söhne viele Schwierigkeiten und Sorgen.

Kaum ein Jahr nach Constanzes Tod heiratete er Doris Jensen, eine Tat, die die Schwestern von Constanze ganz mißbilligten. Er fühtle sich wegen ihrer Reaktion schuldig, und er wurde wieder deprimiert. Doris wurde auch deprimiert, und sie hatten von Anfang an Schwierigkeiten in ihrer Ehe. Einige Jahre später drückte er in einem Brief seine Gefühle über seine zweite Ehe aus. Sein Freund, Alfred Niess, hatte auch seine erste Frau verloren und hatte bald wieder geheiratet. Storm schrieb ihm: "Aber seien Sie geduldig , gerecht und von nimmer müder Güte. Hat die erste Frau uns getragen, die zweite müßen wir tragen, bis sie sich stark genug in unserem Hause fühlt. Und verlangen Sie von ihr nicht mehr Gefühl für ihre Stiefkinder, als das einer wohlwollenden Freundin, and verlangen Sie von den Kindern nicht, daß sie die Freundin Mutter nennen" (Jackson 152).

Bis 1870 waren die Zustände in Storms Leben in einer Krise. Sein Einkommen deckte seine Ausgaben nicht. Seine Söhne verlangten Geld, und die Töchter brauchten eine Erziehung. Um seine Besoldung zu ergänzen, schrieb er so schnell wie möglich Novellen, und die Familie lebte von einer bis zur nächsten. Storms Mutter starb 1879, und er bekam seinen Teil des Familienbesitzes. Endlich konnte er in den Ruhestand treten, und er baute eine Villa in Hademarschen, einige Kilometer weg von Husum.

Storms Gesundheit verschlimmerte sich in den folgenden Jahren, obwohl er Novellen zu schreiben fortfuhr. Von Freunden und Bewunderern sowie von der Goethe Gesellschaft eingeladen ging er 1884 nach Berlin und 1886 nach Weimar. Bei diesen Anläßen wurde er als einer der hervorragenden Schriftsteller Deutschlands gefeiert. Er machte 1885 die ersten Pläne für Der Schimmelreiter, aber bereits hatte er Zeichen von Magenkrebs, und er konnte erst später dieses Buch beenden. Er schrieb 1886 Ein Doppelgänger, das die traurige Lage von einem Gefängener beschreibt, der sich vergeblich zu rehabilitieren versucht. Dafür bekam er 2500 Mark, eine sehr erfreuliche Summe. Im Herbst und Winter dieses Jahres war er sehr krank, und sein ältester Sohn starb im Dezember, trotzdem begann er im Januar eine Novelle.

Im Frühling wurde der Krebs diagnostiziert, und er konnte nicht schreiben, aber die Familie bewerkstelligte, daß Storm eine falsche Diagnose erfuhr. Weil er dachte, daß der Tumor gutartig war, begann er wieder an Der Schimmelreiter zu arbeiten. Diese Novelle, von vielen als sein Bestes betrachtet, handelt sich um die komplizierten Verhältnisse zwischen der Gesellschaft und dem Individuum. Sie ist, wie Thomas Mann schrieb, "eine Verbindung von Menschentragik und wildem Naturgeheimnis, etwas Dunkles und Schweres an Meeresgröße und -mystik" (Storm). Er beendete die Novelle im Februar 1888 und starb am 4 Juli. "At his request, neither a priest nor a friend spoke at his grave. It was his ultimate acknowledgement that there is no answer to the power of death" (Alt 387).

Storm ist ein Vertreter von europäischen Schriftstellern, die zum "poetischen" oder "bourgeois" Realismus gehören. Die meisten seiner Geschichten finden in seiner heimischen Gegend, Schleswig-Holstein, statt. Dieser "Landschaftspatriotismus" ist auch ein Medium, um Themen von politischer und menschlicher Bedeutung zu behandeln. In seinen mehr als 50 Novellen beschrieb, urteilte, und idealisierte er das bürgerliche Leben seiner Zeit. Obwohl Storm sich immer als Lyriker betrachtete, ist er heutzutage am besten als ein Schriftsteller von Prosa bekannt. Außerdem Der Schimmelreiter werden Aquis Submersus (1876) und Carsten Curator (1878) hochgeschätzt. Die erste ist eine tragische Geschichte, die von dem Beobachter eines Bildes mit dem Titel, culpa patris aquis submersus erzählt wird; der letztere spricht von einem aufrechten Mann von mittlerem Alter, der eine junge, schöne, aber unverantwortliche Frau heiratet. In seinem Aufsatz über Storm 1930 hat Thomas Mann gesagt, daß Storms thematische Neuerungen und Kunstfertigkeit denen von Ivan Turgenev, Charles Dickens, oder Gottfried Keller glichen.


Bibliographie

  1. A. Tilo Alt. Theodor Storm in Dictionary of Literary Biography; Nineteenth-Century German Writers, 1841-1900, V. 129. James Hardin and Siegfried Mews, ed. Detroit, London: Bruccoli Clark, 1993. pp. 378-389.

  2. Gottfried Berron. Theodor Storm, der echte Dichter. [http://www.husum.com/storm_1.htm], March 1997.

  3. Herman Boeschenstein. German Literature of the Nineteenth Century. London: Edward Arnold Pub. Co., 1969. pp 128-132.

  4. Ewald Eisenhardt. The Life of Theodor Storm in German Classics of the Nineteenth and Twentieth Centuries. Kuno Francke and William G. Howard, ed. New York: German Publication Society, 1914. pp. 214-224.

  5. David A. Jackson. Theodor Storm, The Life and Works of a Democratic Humanitarian. New York: Berg Pub. Co., 1992.

  6. Theodor Storm. Introduction to Der Schimmelreiter. [http.//www.directmedia.de/schimmel.htm], March 1997.

  7. Elmer Otto Wooley. Studies in Theodor Storm. Indiana University Publications, Humanities Series, No. 10, 1943.