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Die Literatur im Westen zwischen 1945-2005


Allgemeine Tendenzen der deutschen Literatur im Westen:

  1. Die Spaltung Deutschlands brachte die Frage nach der deutschen Identität; diese Frage wurde auch zum Thema der Literatur.
  2. Alles, was sich in der Gesellschaft abspielte, spiegelte sich in der Literatur.
  3. Einige Schriftsteller (Heinrich Böll, Günter Grass) wollten eine politische Rolle spielen.
  4. Man stellte die Frage nach der Rolle und der Aufgabe des Schriftstellers in einer bürokratisierten Welt.
  5. Es gab auch Skepsis gegenüber alten Formen der Literatur: waren sie veraltet?
  6. Die alten Formen kamen doch manchmal wieder, aber als Parodie (z.B. aristotelische Einheiten bei Dürrenmatt: Die Physiker).
  7. Man wischte die Grenzen zwischen den Literatursorten: epische Komponenten im Drama; Dialog und Monolog im Roman; Lyrik ist oft optisch gegliederte Prosa. Das Hörspiel (für das Radio) wurde eine Kunstform.
  8. Man experimentierte mit der Sprache.
  9. Andere wichtige Einflüsse:
    • Die Philosophie des Existenzialismus;
    • Psychoanalyse;
    • Technik und die industrielle Erfahrungswelt;
    • Ausländische Literatur, vor allem auf das Erzählen: die Kurzgeschichte (Hemingway) kommt nach Deutschland.
    • Wichtige Nachwirkung von Kafka.

Obwohl es keine Literaturbewegungen gibt, teilt man die Literatur in historische Phasen auf:

  1. 1. Phase, 1945-50 (oft Trümmerliteratur genannt):
    • Hier findet man die alten formalen und inhaltlichen Traditionen, aber auch eine radikale Neuorientierung.
    • Die Eindrücke vom Krieg und der Vernichtung1 (Heinrich Böll; Wolfgang Borchert; Paul Celan; Wolfdietrich Schnurre) spielten eine große Rolle.
    • Es gab Kriegs- und Heimkehrerliteratur,2 Todeserinnerung, und Sprachlosigkeit angesichts dieser Erlebnisse.
    • Schriftsteller protestierten gegen alle Ideologien.
    • Man erkannte, daß die Nazis die Sprache mißbraucht hatten, also war die Sprache für die Schriftsteller sehr wichtig.
    • Politisch und gesellschaftlich engagierte Schriftsteller kamen zusammen und nannten sich die Gruppe 47. (Hans Werner Richter; Ilse Aichinger; Alfred Andersch; Ingeborg Bachmann; Böll; Günther Eich.

  2. 2. Phase, 1950er Jahre: Die Schriftsteller in dieser Zeit beobachteten kritisch die Wohlstandsgesellschaft3 und schrieben darüber in Satire und Groteske. (Dürrenmatt, Böll, Max Frisch). Man versuchte auch, die deutsche Vergangenheit zu verstehen (Marie Luise Kaschnitz; Andersch; Grass; Böll).

  3. 3. Phase, 1960er Jahre:
    • Man schrieb und dachte über die unbewältigte4 Vergangenheit: das Hitler Reich, Kriegs- und Nachkriegszeit, innere und äußere Feinbilder.
    • Verlust der Selbstsicherheit der Aufbaujahre5. (Günter Grass, Max Frisch, Uwe Johnson, Böll, Siegfried Lenz).
    • Es gab nach 1967 viele innenpolitische Probleme, und die Literatur wurde auch immer politischer; größeres öffentliches6 Engagement der Autoren.

  4. 4. Phase, 1970er und Beginn der 1980er Jahre:
    • Man dachte über das eigene Ich und seine subjektive Welt nach, und das brachte Ernüchterung7 und Distanz zu öffentlicher politischer Aktion.
    • Neue Sensibilität, neue Innerlichkeit: Interesse an eigener und fremder Lebensgeschichte. Suche nach persönlicher, auch geschichtlicher Identität. (Ingeborg Drewitz, Peter Handke, Peter Härtling, Christoph Meckel).

  5. Österreichische und schweizer Autoren haben immer wichtige deutsche Literatur geschrieben, aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg spricht man von einer österreichischen Literatur oder von einer schweizer Literatur. Autoren, die oben besprochen wurden wie Bachmann, Handke, und Aichinger kommen aus Österreich, und Dürrenmatt und Frisch waren aus der Schweiz. Es gab aber auch andere wichtige Schriftsteller aus diesen Ländern, wie Barbara Frischmuth (Österreich), Gertrud Leutenegger (Schweiz) usw.
  6. Auch schrieben Frauen über ihre Erfahrungen, wie zum Beispiel Angelika Mechtel.


An overview of prose literature of this era from the Goethe Institute:
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