German 342: German Literature
Oregon State University
March 10, 1998

BERTHA VON SUTTNER (1843-1914)
von Lisa D. Jones

Die Österreichische Schriftstellerin und Pazifistin Baronin Bertha Felicie Sophie von Suttner (geborene Gräfin Kinsky) wurde am 9. Juni 1843 in Prag geboren. In dieser Zeit war Prag ein Teil des österreichischen Reiches. Bertha von Suttner war die Tochter des Feldmarschalleutnants Graf Franz Joseph Kinsky von Chinitz und Tettau. Sie kannte ihren Vater allerdings nicht, da er kurz nach ihrer Geburt starb. Ihre Familie war sehr aristokratisch, und anfangs akzeptierte Baronin von Suttner deshalb noch die militärische Tradition ihrer Familie und der damaligen Gesellschaft.

Als junge Frau und Erwachsene studierte sie Musik, verschiedene Sprachen und verschlang Bücher geradezu. Nachdem ihre Mutter das Vermögen der Familie ausgegeben hatte, war Bertha von Suttner gezwungen, im Alter von 30 Jahren als Kindermädchen zu arbeiten.

In Wien lernte sie die Familie von Suttner kennen und war das Kindermädchen der vier Töchter. Bertha von Suttner lernte so auch ihren zukunftigen Mann, Baron Arthur Gundaccar von Suttner, kennen. Sie beschrieb ihn folgendermassen:

When he entered a room it immediately grew twice as bright and warm as it was before. This does not mean that I fell in love with him at first sight... (von Suttner 195)
Baron von Suttner war der jüngste von drei Brüdern und war sieben Jahre jünger als Bertha. Seine Eltern waren gegen die Beziehung zwischen ihrem Sohn und dem Kindermädchen, weil sie glaubten, dass Bertha zu alt war und kein Mitgift in die Ehe bringen konnte. So zog Bertha von Suttner im Jahre 1876 nach Paris, um als Sekretärin und Haushälterin zu arbeiten. Sie blieb aber nicht lange in Paris und kehrte nach Wien zurück, wo sie ihren Geliebten heiratete. Wäre sie in Paris geblieben, wäre sie die Sekretärin und Haushälterin von Alfred Nobel geworden, der das Dynamit erfand und den Nobelpreis gründete. Obwohl Bertha von Suttner nach Österreich zurückkehrte, blieb sie mit Alfred Nobel befreundet.

Für die nächsten neun Jahre lebten Baron und Baronin von Suttner im Kaukasus in Rußland. Sie unterrichteten zusammen Musik und Sprachen und begannen, europäische Politik und Kultur zu studieren. In dieser Zeit schrieb Baronin von Suttner Es Löwos, eine poetische Beschreibung ihres Leben mit ihrem Mann. Ihr erstes ernstes Buch Inventarium einer Seele (Inventory of a Soul) und vier weitere Romane erschienen im Jahre 1883.

Nachdem Baron von Suttner sich mit seinen Eltern versöhnte, kehrten Baron und Baronin von Suttner im Jahre 1885 nach Harmannsdorf in Österreich zurück. Im Winter 1886 entdeckte Baronin von Suttner ihr Interesse für die Friedensbewegung, und sie engagierte sich vor allem in der neuen „International Peace and Arbitration Association".

Sie drückte ihre politischen und sozialen Ideen in ihren erdichteten Gestalten aus. Im Ein schlechter Mensch (A Bad Lot, 1885) beschrieb sie die Freidenker, in Daniela Dormes (1886) befasste sie sich mit Darwinismus und Antiseminitismus, High Life (1886) ist eine Abhandlung über die Demokratie, und in Vor dem Gewitter (Before the Storm, 1894) beschrieb sie den Sozialismus. Im Jahre 1889 wurde Das Maschinenzeitalter (The Machine Age) publiziert, es kritisierte den Nationalismus und den militärischen Enthusiasmus der damaligen Zeit.

Ihr berühmtester Roman ist Die Waffen nieder (Lay Down Your Arms, 1889), in der sie die Gräßlichkeiten des Krieges von 1860 in Europa beschrieb. Sie beschrieb das Leid ihrer Romanheldin, Martha Tilling, die den Krieg haßt, nachdem ihr Mann im Feld fällt. Bertha von Suttner schrieb:

What a woman suffers when she knows that a beloved husband is engaged in war I could now more easily imagine, for the depth of my own conjugal love sufficed to put me mentally in such a situation (Opfell 7).
Der Schriftsteller Leo Tolstoy lobte ihren Roman Die Waffen nieder und verglich ihn mit Uncle Tom's Cabin. Tolstoy bemerkte:
The abolition of slavery was preceded by the famous book of a woman, Mrs. Beecher Stowe; God grant that the abolition of war may follow upon yours (Opfell 8).
Dieses Buch machte Baronin von Suttner zu einer zentrallen Figur der damaligen Friedensbewegung. Im Jahre 1891 gründete sie die Österreichische Friedensgesellschaft (Austrian Peace Society), die erste Organisation in Österreich für den Frieden.

Sie korrespondierte oft mit Alfred Nobel, der ihr mitteilte, dass er nach seinem Tod neben dem Nobelpreis einen weiteren Friedenspreis stiften wollte:

(to) set aside a portion of my estate for a prize... to be awarded to the individual who has advanced furthest in the direction of a peaceful Europe (Wasson 1030).
Alfred Nobel starb im Jahre 1896 und im Jahre 1905 bekam Bertha von Suttner den Friedensnobelpreis. Bertha von Suttner konzentrierte ihre Energie ganz auf den Frieden in Europa. Sie sagte: „Europa ist eins und nur mit einer Vereinigung konnten die Menschen die Weltkatastrophe verhindern, die am Horizont drohte" (The Nobel Foundation 2). Im April 1913 schrieb sie in ihr Tagebuch:
All in all it seems to me that the great European disaster is well on its way. If so many seeds have been sown, surely the weeds will sprout up soon and surely so much stockpiled gunpowder will explode (Opfell 16).
Baronin von Suttner starb am 21. Juni 1914, zwei Monate bevor der erste Weltkrieg begann. Heute ist ihr Gesicht auf dem 1000 Schilling Geldschein in Österreich. Bertha von Suttner hatte keine Kinder. Bertha von Suttner war eine mutige Frau, die ihre Ideen durch Romane ausdrückte, und für den Frieden arbeitete.

LITERATURVERZEICHNIS

  1. Irwin Abrams, "Heroins of Peace: The Nine Nobel Women." [http://www.nobel.se/essays/heroines/], March 1998.

  2. The Nobel Foundation, "Bertha Felicie Sophie von Suttner." [http://www.nobel.se/laureates/peace_1905-bio.html], March 1998.

  3. Olga S. Opfell. The Lady Laureates: Women Who Have Won the Nobel Prize. Metuchen, N.J.: The Scarecrow Press, Inc, 1986.

  4. Bertha von Suttner. Memoirs of Bertha von Suttner: The Records of an Eventful Life. Volumes I and II. New York & London: Garland Publishing, Inc., 1972.

  5. Tyler Wasson (Ed.). Nobel Prize Winners: An H.W. Wilson Biographical Dictionary. New York: The H.W. Wilson Company, 1987.