Ger 342: German Literature
Oregon State University
March 10, 1998


Fanny Lewald (1811-1889)

von Kristi Lucker

Fanny Lewald war eine deutsche Autorin der jungen Deutschland und Vormärz Literaturbewegungen. Sie lebte zwischen 1811 und 1889. Während ihres Lebens war Fanny Lewald eine der führenden Schriftstellerinnen ihrer Zeit. Für viele Generationen nach ihrem Tod war Fanny Lewald relativ unbekannt, weil sie eine Frau war, und während des Dritten Reiches weil sie Jüdin war. Aber ihre Ideen und Meinungen über Fragen wie Frauenbildung, Gewalthochzeiten, Judenemanzipation, und die Scheidung sind heute noch so wichtig und berechtigt wie im neunzehnten Jahrhundert.

Fanny Lewald wurde am 24. Mai 1811 in Königsberg, Preussen (jetzt ist es Kaliningrad) jüdischen Eltern geboren. Ihr Vater, David Markus (die Familie hiess erst später Lewald) und ihre Mutter wurden auch in Königsberg geboren. Sie war das älteste von acht Kindern ihrer Eltern. Beide Eltern waren sehr liebevoll aber auch sehr streng. Fanny und ihr Vater standen sich besonders nah, und er spielte eine sehr entscheidende Rolle in ihrer Bildung. In ihrer Kindheit waren Lewalds enge Freunde ihre Brüder, die zwei bis vier Jahre nach ihr geboren wurden. Ihre Bildung war viel besser als die der meisten Frauen ihrer Zeit. Als sie sechs war, schrieb ihr Vater sie an die Ulrich-Schule ein. Diese Schule war eine Koedukationsschule. Diese ermutigte Lewald, alles besser als die Jungen zu machen. Die Schüler wurden nach ihrer Begabung unterrichtet. Oft war Lewald in den höheren Klassen. Einmal besuchte Schulrat Dinter (behrühmt in der pädagogischen Geschichte Preussens) ihre Schule. Dinter sagte ihr: "Your head would be better on a boy. But if you become a fine woman, that's all right, too" (Lewald). Das war für sie ein grosses Kompliment, weil Lewald oft dachte, dass Jungen besser als Mädchen waren.

Fanny Lewalds Eltern waren nicht religiös, aber sie lernte viel über das Judentum von einem Nachbarn. Lewalds erste Begegnung mit dem Antisemitismus kam, als sie sieben war. Sie konnte nicht mit ihren liebsten Freundinnen spielen, weil die Eltern ihrer Freundinnen sie nicht mit Juden verkehren liessen. Lewald lernte viel über die Heftigkeit des Antisemitismus aus dem Klatsch der Zeit. Die Idee, dass gebildete Juden aufgeklärter und besser als ihre Verfolger sein mussten, wurde jetzt in sie eingeprägt. Diese Idee wurde später sehr wichtig in ihren Werken.

David Lewald dachte, dass das Musiklernen sehr wichtig sei. Lewald begann also mit dem Klavierunterricht, als sie sieben Jahre alt war. Sie durfte nichts als die Stücke, die in ihrem Übungsbuch standen, spielen, und sie prägte sich die Übungen so gut ein, dass sie ein Buch während ihrer Übungzeit lesen konnte. Von ihrer Übungsmusik gelangweilt, wollte sie etwas komponieren. Aber sie konnte es nie machen, und ihre Lust am Klavierspielen verringerte sich. Lewald war überzeugt, dass sie kein Talent dafür hätte. Ihr Vater glaubte, man brauchte kein Talent, um Musik zu spielen. Ihre Familie und Lehrer dachten, sie wäre faul, weil sie gute Geschicklichkeit und Präsentation hatte. Aber ihre Abneigung gegen das Musikspielen existierte nur, weil sie glaubte, talentlos zu sein. Lewald lernte Klavier noch fünfundzwanzig Jahre, von sieben bis zweiunddreissig. Es wurde ihr Albatross.

Als Fanny sechszehn Jahre alt war, lernte sie Leopold Bock kennen. Er war ein Verwander ihrer Freunde, der Familie Kähler. Bock kam aus dem Harz, und er war Tutor und Student der Theologie. Er wurde ihre erste Liebe. Er war sehr besitzergreifend und wollte sie dazu formen, was er wollte, dass sie sein sollte. Sie hatte es nicht gern, aber ihr Vater hatte das schon lange gemacht, und sie widersetzte Bock nicht sehr. Zuerst war es David Lewald gewesen, der diese Beziehung forderte, aber plötzlich brach er die Beziehung ab. Als Trost erlaubte er es ihr, dass sie zum Christentum übertritt. Kurz darauf starb Bock an Turberkulose. Lewald sagte später: "Female nature is such that it is instinctively independent of men that even in youth it automatically feels unwilling to be the property of the man who claims her" (Faut).

Fanny Lewald war einundzwanzig Jahre alt, als sie zum ersten Mal Königsberg verliess. Sie fuhr mit ihrem Vater nach Berlin, Leipzig, Weimar, Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg und in andere Städte. In Baden-Baden besuchten sie Davids jüngsten Bruder, Friedrich Jakob Lewald. Als ihr Vater zurück nach Königsberg fuhr, schickte er Fanny nach Breslau, um dort mit seiner Schwester zu wohnen, um mehr Erfahrung zu sammeln. Als sie zu ihrer Familie zurückging, hatte Lewald nichts zu tun. Sie schrieb oft ihrer Tante Minna und ihrer Kusine Heinrich in Breslau. Sie lernte wieder Klavier und Kunst. Als Lewald fünfundzwanzig war, wollte ihr Vater, dass sie einen Stadtsrat heiratete. Sie weigerte sich, diesen Mann zu heiraten, weil sie ihn nicht liebte. Er war klein, dick, selbstgefällig und arrogant. Sie war enttäuscht, dass ihre Eltern solch einen Mann für sie aussuchen könnten.

Im Jahre 1841 begann Lewald ihr Berufsleben. Ihr Vetter, August Lewald, war Chefredakteur der literarischen Zeitung, Europa, und er bat sie, einen Artikel dafür zu schreiben. Zuerst dachte ihr Vater, dass sie nicht schreiben sollte. Aber nachdem sie ihre Entschlossenheit, Autorin zu sein, zeigte, akzeptierte er ihre Entscheidung. Ihre ersten Geschichten und Romane wurden anonym veröffentlicht, weil ihr Vater es wollte. Schliesslich erlaubte er es ihr, unter ihrem eigenen Namen zu schreiben. Als sie zweiunddreissig war, verdiente sie genug, um aus dem Haus ihrer Eltern auszuziehen. Im Jahre 1845 fuhr sie (ohne ihre Familie) nach Italien. Hier lernte sie viele intellektuelle deutsche Frauen kennen, Frauen wie Adele Schopenhauer und Ottilie von Goethe. Lewald lernte auch Adolf Stahr, einen Kultur- und Kunsthistoriker, kennen. Lewald und Stahr verliebten sich. Aber Stahr war schon unglücklich verheiratet und hatte fünf Kinder. Sie durften nicht bis 1855, nach seiner Scheidung heiraten. Lewald entschied sich, wenn sie genug Geld und Freiheit hätte, um die Welt zu reisen, und sie machte das mit ihrem Mann um diese Zeit. Stahr starb im Jahre 1876 und Fanny Lewald 1889.

Fanny Lewald schrieb und veröffentlichte sehr viele Romane, Novellen, Reisebücher, und Aufsätze. Sie schrieb über viele wichtige Fragen und war eine der frühen Blaustrümpfe, die für Frauenrechte waren. Eine dieser Fragen war die Frauenbildung. Diese war auch sehr persönlich für sie. Lewald glaubte, Frauen sollten für einen Beruf erzogen werden, aber sie glaubte auch, dass es gut sei, wenn Frauen Frau und Mutter sein wollten. Sie schrieb über diese Ideen in Büchern wie Osterbriefe für die Frauen und Für und wider die Frauen. Sie glaubte auch, dass Frauen nicht wegen der Bequemlichkeit oder des Geld sollten heiraten müssen. Sie glaubte an die Liebe.


Literaturverzeichnis

 

  1. John C. Faut. German Women in the Nineteenth Century. New York, London: Holmes & Meier, 1984, pps.199-201, 215.
  2. Elke Frederiksen. Women Writers of Germany, Austria, and Switzerland. Connecticut: Greenwood Press, 1989, pp. 147-150.  
  3. Lynda King. "Fanny Lewald (1811-1889)." [http://www.orst.edu/instruct/ger341/lewald.htm], Febuary 1998.
  4. Fanny Lewald. The Education of Fanny Lewald: An Autobiography. New York: State University of New York Press, 1992.