GER 342: German Literature
Oregon State University
March 5, 1998


Franz Grillparzer (1791-1872)
von Ethan Helmer

Franz Grillparzer lebte ein sehr interessantes Leben, reich an Erfolg und Misserfolg, Problemen und etwas weniger Frieden. Hauptsächlich psychologische Faktoren bestimmten seine Einstellung zum Leben. Und genauso wie die Leute, die ihn damals beeinflussten, muss man auch heute mitfühlend mit ihm sein. Er war aber ein grosser Dichter, der viel zur deutschen Literatur beitrug. Viele grosse Dichter schreiben Werke, die ihrem eigenen Leben ähnlich sind. So war Grillparzer auch, und um seine Werke und Ideen gut zu verstehen, muss man auch etwas über sein Leben wissen.

Franz Grillparzer war Österreicher. Er liebte sein Land und lebte fast sein ganzes Leben in der Hauptstadt, Wien. Er wurde am 15. Januar 1791 geboren und war der älteste von vier Söhnen (Franz, Karl, Kamillo und Adolf) von Wenzel und Anna Marie. Sein Vater war Rechtsanwalt, und obwohl er eine gute Stelle in der Stadt und grosse Ideale hatte, war er sehr unpraktisch und reserviert. Er kümmerte sich nicht um die Erziehung oder Ausbildung seiner Kinder und zeigte nie seine Liebe für sie. Seine Mutter (Anna) kam aus einer bürgerlichen Familie, der Familie Sommleither, die für ihre dramatischen und musikantischen Talente bekannt war. Sie waren sogar mit grossen Musikanten wie Haydn und Mozart vertraut.

Das Haus der Grillparzers war gross und düster, aussen war es normal und innen phantasievoll. Franz hatte wenig mit seinen Brüdern gemeinsam, aber was sie zusammen machten, als sie jung waren, war, wenn ihr Vater ihnen Geister- und Abenteuergeschichten vorlas. Aber schon als Kind vermied Franz die Gesellschaft und lebte sozusagen isoliert. Er genoss die Natur sehr und insbesondere Blumen. Die Musikstunden seiner Mutter waren die Qualen seiner Kindheit (Yates 7).

Sein Verhältnis zu seinem Vater war nicht erwünschenswert, und es endete nicht gut, als sein Vater am 10. November 1809 starb. Seine letzten Worte zu Franz, als Franz ein schlechtes Gewissen hatte, weil er wusste, es hätte besser sein können, waren: "Es ist zu spät" (Heuser xii).

Sein Bruder Karl wurde Soldat, und später, als er sich selbst des Mordes beschuldigte, kam er nur mit Hilfe von Franz aus den Schwierigkeiten. Kamillo, der nächste, wurde Schreiber für der Regierung. Und Adolf, der jüngste, beging Selbstmord (er ertrank sich) 1817, als er erst 17 Jahre alt war. Zehn Jahre nach dem Tod seines Vaters starb seine Mutter. Sie erhängte sie sich 1819, und das war vielleicht am schwierigsten für Franz, da er ihre Leiche als erster fand. Franz erlitt danach einen Nervenzusammenbruch, und das war der Hauptgrund, warum er nach Italien ging.

Auch Grillparzers Bildung war aussergewöhnlich. Sein Vater glaubte nicht an öffentliche Schulen, so hatte er einen Privattutor als Lehrer. Dieser Tutor war aber sehr schlecht, und Grillparzer lernte nichts. 1800 musste sein Vater die Schule bestechen, damit er St. Anna Gymnasium in Wien besuchen durfte. Er blieb vier Jahre da, aber er war kein guter Schüler und lernte die Elemente der Schulfächer nicht. 1807 fing er an, Jura an der Universität Wien zu studieren, um seinem Vater zu gefallen. Zu dieser Zeit las er viel aus der Bibliothek seines Vaters (zu welcher keine Werke von Goethe oder Schiller gehörten), und seine Amateurdramen waren ihm wichtiger als sein Studium.

Grillparzers Freunde beeinflussten ihn sehr, besonders bei seinen Dramen und Gedichten. Er zeigte schon als Kind Interesse daran, Dichter zu werden, aber erst mit der Hilfe und Unterstützung von Freunden wie Mailler (und später seinen guten Freunden Wohlgemuth und Altmütter) schrieb er etwas. Seine erste Tragödie, Blanka von Kastilien , schrieb er 1808-09. Mit der Unterstütztung von Mailer schrieb er weiter, obwohl er schlechte Noten und keine Pläne für eine Karriere hatte. Die Schreibfeder, Blanka von Kastilien , und Wer ist schuldig gehören zu seinen ersten Werken, aber ab 1810 hatte er eine lange Schreibpause. Mailer starb bald darauf, aber Grillparzer sagte später, dass Georg Altmütter ihn mehr als zehnfach ersetzte (Yates 10).

Obwohl er viel Talent hatte, war er nie mit sich selbst oder seinen Werken zufrieden, und er blieb leider sein ganzes Leben lang so. Er war sehr abhängig von Anderen für Eingebung und wusste es auch. Einmal sagte er: "Meine Nachahmungssucht übersteigt allen Glauben. Alle meine Ideen formen sich nach jüngst gelesenem. Wenn Goethe, Schiller, und Shakespeare über mich einen Konkurs eröffneten, ich müsste affenkahl dastehen" (Yates 11-12). Seine Selbstkritik war so stark, dass er meinte, er sei nicht gut genug zu werden, was er so sehr werden sollte...Dichter. Er war immer frustriert und deprimiert.

Nachdem sein Vater starb, musste er aber etwas Anderes machen, um Geld für seine Familie zu verdienen. Er wurde Tutor und wurde auch grosszügig bezahlt. Und obwohl er immer viel an sein Schreiben dachte, konnte er kein einziges seiner guten Werke beenden. Andere Umstände spielten eine zu grosse Rolle. Einmal entschied er sich, die dramatische Dichtung aufzugeben, nachdem eine seiner Tragödien bei Graf Palffy abgelehnt worden war (Yates 18-19).

1812 wurde er Tutor des Neffen von Graf von Seilern, um den Staatsdienst zu umgehen. Das endete aber in einer Tragödie. Er ging mit der Familie nach Ungarn, wo er sich eine ansteckende Krankheit zuzog und da zurückgelassen wurde, um zu leben oder zu sterben. Er erholte sich aber doch, ging zurück nach Wien, und wurde weiter von seiner Mutter gepflegt.

Wieder gesund unterrichtete er in Wien weiter und arbeitete dann doch als Beamte. Zur selben Zeit lernte er Sprachen wie Französisch, Italienisch, Englisch, und ein wenig Spanisch. Und währendessen versuchte er, weiter zu schreiben. 1816 schrieb er Die Ahnfrau, 1817 Sappho, womit er als erfolgreicher Dichter anerkannt wurde.

Grillparzer machte auch ein paar Reisen ausserhalb Österreichs. Im Jahr 1819 fuhr er nach Italien aber leider ohne erfolgreiche Folgen. Seine Werke aus Italien wurden sehr viel kritisiert, und 1820 kam sein erstes Versagen: Das Goldene Vliess. Obwohl König Ottokars Glück und Ende erfolgreich war, wurde es wegen Rassenkonflikte verboten. Nach diesem Ereignis gelobte er, nie wieder zu schreiben.

1826 reiste er durch Prag und Dresden nach Berlin, und unterwegs lernte er Goethe in Weimar kennen. Diese Reise war wohltuend, weil Ein neuer Diener seines Herren (1826) ohne Konflikte gespielt wurde. Die 1830er Jahre fingen mit dem Versagen von Des Meeres und der Liebe Wellen (1834) und dann mit dem Erfolg von Der Traum ein Leben (1834) an. 1832 wurde er Archivdirektor und blieb es bis 1856. Aus kulturellen und politischen Gründen fuhr er im Jahr 1836 nach Paris und London und besuchte unterwegs deutsche Radikale wie Heinrich Heine, die im Ausland waren. 1838 schrieb er Weh dem der Lügt, eine Komödie. In den 1840er Jahren zog sich Grillparzer von der Gesellschaft zurück. Seine letzten grossen politischen Tragödien waren Libusa und Ein Bruderzwist in Habsburg, die im Jahr 1848 herauskamen. 1848 begann die letzte Phase seines Lebens mit der Revolution. Die Jüdin von Toledo (1851) war sein letztes Werk, und danach schrieb er nichts mehr für 21 Jahre (bis er starb). 1861 wurde er Mitglied des Herrenhauses, und am 21. Januar 1872 starb er in Wien.

Grillparzers Leben verlief offentsichlich nicht ohne Schwierigkeiten. Seine Depressionen und Selbtsmordgedanken verursachten sehr viele schwierige Zeiten, wo er nichts mehr vom Leben wollte. Er kämpfte immer gegen die Teilnahmslosigkeit und Ablenkungen und suchte immer nach Eingebung.

Sein Leben war aber nicht ganz ohne Liebe. Er hatte zwei Lieben. Eine hatte er mit der Frau seines Vetter, Charlotte von Paumgartten (1818-21) und die andere mit Marie von Smolenitz (1823-26). Aber seine "ewige Verlobte" war Kathi Fröhlich, und sie blieb gesetzlich seine Verlobte vom Jahr 1821 bis Grillparzer starb. Er konnte sich nie (und sie auch nicht) einer beständigen Zuneigung hingeben. Und das gilt auch für seine Persönlichkeit. Oftmals gab er Abneigung gegen alle Menschen zu. Goethe beschrieb ihn als "a pleasant and likable man", und das meinten viele Andere auch. Die Tatsache, dass er hauptsächlich aus psychologischen Gründen unglücklich war, ändert nichts daran, dass Franz Grillparzer ein grosser dramatischer Dichter der deutschen Sprache war, und er verbrachte doch ein interessantes Leben.


Literaturverzeichnis

  1. Franz Grillparzer. Die Ahnfrau. New York: Henry Holt and Company, 1907.

  2. Bruce Thompson. Franz Grillparzer. Boston: Twayne Publishers, 1981.

  3. Douglas Yates. Franz Grillparzer: A Critical Biography. Oxford: Basel Blackwell and Mott, Ltd., 1946.