GER 341: German Literature
Oregon State University
December 3,1997


Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792)

von Ethan Helmer

Jakob Michael Reinhold Lenz, sein Leben, sein Tod, und seine Karriere spiegeln genau wieder, was für ein Mensch er war. Und was für ein Mensch war er eigentlich? Ein großer Dichter des Sturm und Drangs, ein Theoretiker, oder war er nur verrückt? Lenz hat doch viel für die Welt der deutschen Literatur getan. Das dann man so sagen, ohne einen Fehler zu begehen. Seine Werke werden heute immer noch gelesen und studiert. Aber was für ein unglückliches Leben hatte er? Vielleicht sollte die Frage heißen: Können sein Leben und seine Ideen ein Beispiel für uns heute sein, damit wir die Mentalität und den Sinn des Lebens besser fassen und begreifen können?

Lenz wurde am 11. November 1751 in Sesswegen, Livonia geboren. Die Familie, in die er geboren wurde, war sehr religiös. Sein Vater, David Lenz, war Pastor einer protestantischen Kirche und erzog seine Kinder streng. Das heißt, sie waren sich sehr bewußt über die Sünde und den Tod. Am Anfang gaben ihm (Lenz) diese Werte und dieser Glaube eine Richtung im Leben. Er wollte Pastor werden und studierte in den Jahren 1768-71 Theologie in Königsberg. In dieser Zeit schrieb er auch seine ersten Dichtungen, die religiöse Aspekte hatten.

Irgendwie fand er heraus, daß Theologie nicht das Richtige für ihn war, er zog Philosophie und Literatur vor, die Ideen Kants gefielen ihm gut und beeinflussten ihn während der Zeit seines Studiums sehr. Theologie war für ihn so schwer in den Griff zu bekommen, daß er am Abend vor seinem Examen mit den Brüdern von Kleist nach Straßburg fuhr, um etwas Anderes, etwas Literarisches und etwas Neues und Junges zu verfolgen. Hier in Straßburg begann ein neues Kapitel seines Lebens. Zu dieser Zeit waren auch viele andere junge Dichter da, die ihre eigene Bewegung haben wollten. Sie nannten sich "Stürmer und Dränger." Lenz, erst 19 Jahre alt, nahm gleich teil und trat schnell in den Freundeskreis von Goethe ein, mit Leuten wie Herder, Lavater, Merck, Klinger, usw. Der Sturm und Drang begann damals, und die beste Zeit für Lenzs Karriere war diese in Straßburg.

1772-74 war er sehr aktiv in der philophischen und literarischen Gesellschaft. Dann schrieb er Der Tutor, Der neue Menoza, Meinungen eines Laien und Die Soldaten. Am Ende des Jahres 1774 verließ er die Kleists und lebte als Tutor. Im Jahr danach wurden Goethe und er gute Freunde, und er schrieb Pandemonium Germanicum. Andere gute Werke, wie Der Engländer, Über die Soldatenehen, und Frieds make the Philosopher, wurden in den Jahren 1775-76 geschrieben. Im April 1776 ging er zu Goethe nach Weimar und schrieb The Hermit und Tantalus, und im Juni verließ er Weimar.

Von jetzt an ging es bergab. Lenz war schon früher vom Glück verlassen. Hauptsächlich deswegen ging er zu Goethe nach Weimar, um Hilfe zu finden. Aber schon während und nach der kurzen Zeit, als er in Weimar war, kamen die großen Probleme. 1776-7 traten die ersten Zeichen seiner geistigen Krankheit auf. 1778 wurde es nur schlimmer für ihn. Auch Selbstmord versuchte er. Im Jahr 1779 kam sein Bruder Karl, der ihn zurück nach Riga brachte, wo Lenz sich ein bißchen erholen konnte.

1780-81 versuchte Lenz, in St. Petersburg eine Stelle zu finden und sich niederzulassen, aber mit geringem Erfolg. Im Jahr 1781 arbeitete er kurz bei einer Privatakademie in Moskau, aber bald kam seine geistige Krankheit wieder, und er mußte aufhören. Elf Jahre später, am 4. Juni 1792 starb er auf einer Moskauer Straße.

Das waren die Daten seiner Biographie im kurzen. Natürlich gibt es noch mehr auffällige Punkte in seinem Leben, aber jetzt werde ich mehr über Lenz schreiben, seine Persönlichkeit, seine Beziehungen, usw. Dann können wir vielleicht besser sehen und verstehen, warum sein Leben so verlaufen ist. Was er machte, ist schon ziemlich klar, und es ist nicht so wichtig, wenn man Lenz als Mensch kennenlernen will.

Goethe beschrieb Lenzs Charakter als "schrullig" und seine Karriere als "meteorisch" (Yuill pvii, Yuill pxxii). "Meteorisch", weil Lenzs Karriere kaum dem Sturm und Drang überlebte, und sein Ansehen wegen seiner geistigen Krankheit immer geriger wurde. Mit "schrullig" meinte Goethe vielleicht eine gefühlsmäßige Unbeständigkeit, die schließlich zu seiner Krankheit führte.

Man kann vielleicht sagen, daß Lenz viele Gefühle hatte, typisch für Stürmer und Dränger, aber er hatte wahrscheinlich zu viele. Gegensätzliche Launen (wie z.B. Düsterheit und Begeisterung, Ironie und Phantasie) waren für Lenz dauernd gemischt. "He was unable to master conflict between inner life and outer reality. He had a torn and tragic personality" (Pascal 31).

Allein seine Fähigkeit zu lieben ist ein Thema für sich. Er verliebte sich sehr leicht und hilflos in andere, aber er war zu unglücklich, um Liebe zurückzubekommen. Es ist auffällig, daß er sich sehr oft in Gefühlsangelegenheiten seiner Freunde einmischte. Zum Beispiel: er verliebte sich in Friederike Brion, nachdem Goethe Straßburg verlasssen hatte (Goethe hatte schon Interesse für sie); 1774 war es Goethes Schwester, Cornelia Schlosser (eine junge verheiratete Dame); und 1775-76 liebte er Henriette Walner von Freundstein.

Vielleicht ist der beste Weg, um Lenz kennenlernen zu können, seine Dramen zu lesen. Fast alle Werke sind eine direkte Wiederspiegelung seines Lebens. Die Soldaten beschreibt genau seine Beziehung zu Cleophe Fibich. Lenz schrieb Herder einmal wegen Die Soldaten und sagte: "It is in the strictest sense a true story" (Yuill xxi). Genauso war es mit Henriette von Freundstein in Der Wahlbruder (Pascal 33). In Hofmeister sieht man auch einen Teil seines Lebens, als er als Privattutor in Straßburg arbeiten mußte um zu leben. Es ist doch auffällig, daß Charaktere in seinen Dramen wahren Menschen, auch ihm in seinem Leben, so ähnlich sind.

Lenz war ganz und gar Stürmer und Dränger. Er war etwas unverantwortlich (typish für Stürmer und Dränger), er glaubte an die Natur und insbesondere an das Gefühl. Seine Ideen waren denen der anderen ähnlich aber vielleicht wegen seines Hintergrunds etwas religiöser. Er definierte den Zweck der Religion als "the encouragement of our 'instinct' for perfection. If we trust nature, we will have and trust faith," sagte er auch (Pascal 123). Als ich Die Soldaten las, merkte ich, wie ähnlich seine Ideen über Klassentrennugen den Ideen von Schillers Kabale und Liebe waren. Auch Lenz war gegen die große Trennung zwischen Klassen. Er zeigte, daß diese Trennung nich sinnvoll war, aber auch wie unrealistisch es war, für Leute zu denken, daß es Ehen zwischen Klassen ohne Probleme gibt. Das Bürgertum sollte wichtiger sein. Das machte mehr Sinn, und das Leben sollte freier für alle Menschen sein.

Egal, was für ein guter Dichter er war, und wieviele Leute ihn gern hatten, Lenz selbst meinte, daß er ein Versager war. Mißerfolg in der Liebe, seinen Werke und seiner Karriere gaben ihm dieses Gefühl. Vielleicht drückte Lenz es am besten in einen Brief an Lavater aus: "My greatest sufferings are caused by my own heart, and yet, in spite of it all, the most unbearable state is when I am free of suffering" (Pascal 33). Er schrieb Lavater auch: "Give me more real sorrows that the real ones don't overwhelm me" (Pascal 33).

Schade eigentlich, daß es für ihn so war, daß er trotz seines Beitrags zu der deutschen Literatur so unglücklich leben und am Ende im Jammer sterben mußte. Vielleicht ist seine Biographie philosphisch hervorragender als literarisch, aber trotz allem war er ein wichtiger Mensch des Sturm und Drangs und der deutschen Literatur.


BIBLIOGRAPHIE

  1. Roy Pascal. The German Sturm und Drang. University of Manchester: The University Pres, 1953, pp. 1-36, 45-57, 87-8, 123-30, 146-160, 194-5.
  2. Helmut Richter, Rosalinde Gothe. Lenz. Berlin and Weimar: Aufbau Verlag, 1975.
  3. William E. Yuill. The Tutor - The Soldiers. Chicago and London: The University of Chicago Press, 1972, pp. Vii-xxii, 82-134.