German 341: German Literature
Oregon State University
December 3, 1996

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)

von Noel Caddy

Gotthold Ephraim Lessing war einer der wichtigsten Schriftsteller aller Zeiten. Aber er war mehr als nur ein Schriftsteller. Er schrieb Bücher und Gedichte über Literatur, Kunst, Archäologie, und Theologie und war einer der wichtigsten Katalysatoren, der die Aüfklarung in Bewegung sezte.

Johann Gottfried Lessing, der Vater von Gotthold, wurde am 24. November 1693 in Kamenz geboren. Er studierte an der Universität Wittenberg, und später Dresden, Theologie. In Kamenz arbeitete er als Pastor bei der Evangelischen Kirche. Am 16. Januar 1725 heiratete er Justina Salome, die Mutter von Gotthold. Justina wurde am 3. November 1703 ebenfalls in Kamenz geboren. Die Vorfahren von Lessing waren eine Mischung von Pastoren, Bürgermeistern, Stadtrichtern, Ratsherren, und Handwerkern. Sie sind bis ins 15./16. Jahrhundert zurück verfolgbar.

Lessing war nicht das erste Kind in seiner Familie. Johann Gottfried (II) wurde am 30.November 1725 geboren und starb am 3. Dezember 1725. Dorothea Salome, das einzige ältere Geschwisterkind, das ihn überlebte, wurde am 4.Februar 1727 geboren. Lessing, der dritte von zwölf Kindern, wurde am 22. Januar 1729 in Kamenz geboren.

Von 1734 bis 1737 wurde Lessing von seinem Vater unterrichtet. 1737 besuchte Lessing die lateinische Stadtschule in Kamenz regelmäßig. Sein Vater wendete sich an den Kürfürsten von Sachsen, Friedrich August II. (1696-1763), mit der Bitte, Gotthold Ephraim nach vorhergegangenen Prüfungen in die kürfürstliche Landesschule Meißen St. Afra aufzunehmen. 1741 verließ Lessing die kamenzer schule und wurde von seinem Onkel auf die Aufnahmeprüfung von St. Afra vorbereitet. Am 12. Juni 1741 begleitete Johann Gottfried seinen Sohn nach Meißen. Dort legte er die Prüfung zur Aufnahme ab. Lessing bestand so gut, daß er die letzte, zwölfte Dekurie (Klasse) übersprang und er trat also in die elfte Dekurie ein. Dort gab es keine Ferien. Lessing bewohnte mit zwei Mitschülern ein Arbeits- und Schlafzimmer. Alle zwei Jahre wurde ein vierzehntägiger Urlaub zum Besuch der Familie genehmigt. Tagespläne liefen wie Uhrwerk ab:

... Aufstehen im Sommer um 4.30 Uhr, im Winter um 5.30 Uhr; Waschen am Brunnentrog im Hof, Reinigen der Kleidung und der Schuhe unter der Aufsicht eines älteren Schülers; Morgenandacht, Tischgebet in Griechisch, Latein und Deutsch; Frühstück; fünf Unterrichts- und Arbeitsstunden am Vormittag; Mittagessen um 12 Uhr bzw. 13 Uhr, während der Mahlzeit Lesen von drei Kapiteln aus der Bibel, anschließend eine Erholungsstunde zur freien Verfügung; fünf Unterrichts- und Arbeitsstunden am Nachmittag; Abendessen, Abendandacht, eine Erholungsstunde; Zeit für Wiederholung des Stoffes; gemeinsames Abendgebet; ab 21.30 Uhr Schlafenszeit. Sonntags: Teilnahme am Gottesdienst in der Klosterkirche vor- und nachmittages obligatorisch. (Lessings Leben 180)
Unter Strafe der Ausweisung waren Würfel, Kartenspielen und Rauchen verboten. Am 29. September wurde Lessing in die zehnte Dekurie versetzt. Seine Lehrer sagten, daß er eine Neigung zur Eigenwilligkeit und Keckheit hätte.

Von 1742 bis Juni 1746 blieb Lessing in St. Afra. Während dieser Zeit überredete er seinen Vater, die Schule verlassen zu dürfen. Im September 1746 fing Lessing an, Theologie an der Sächsischen Landesuniversität zu studieren. Anfang 1747 stellte Lessing das Studium zurück und lernte Tanzen, Reiten, Fechten und die Formen des gesellschaftlichen Umgangs. Er half auch beim Theater, und dadurch lernte er ganz viel über das Schauspielern und Dramen. Er arbeitete mit Christian Felix Weiße (1726-1804) zusammen, um das Drama Hannibal zu übersetzen, damit er Freikarten für das Theater der Neuberin bekam. An Weinachten erfuhr seine Mutter, daß Lessing "...ihren Christstollen mit seinen gottlosen Freunden geteilt und bei Wein verzehrt habe" (Lessings Leben 182). Sie hielt ihn für völlig verloren.

Im Januar 1748 führte Die Neubersche Truppe Lessings erstes Lustspiel, Der junge Gelehrte, erfolgreich auf. Vater Lessing holte ihn im Febraur mit einer falschen Nachricht nach Hause. Er sagte, daß die Mutter im Sterben läge. Er mochte Lessing vor dem Verderben bewahren, aber die Pläne von Johann Gottfried klappten nicht. Die Schwester, Dorthea Salome, verbrannte Lessings gottlose Gedichte, aber Lessing schien sich darüber mehr zu amüsieren als zu ärgern. Im April kehrte Lessing nach Leipzig zurück, um Medizin zu studieren. Im Sommer verließ Lessing Wittenberg und ging nach Berlin.

Im Novemeber erreichte Lessing Berlin. Dort fing er an, Zeitungsartikel zu schreiben. Er eröffnete mit einem Aufsatz in der Privilegirten Zeitung. Er nahm Sprachunterricht beim Franzosen Richer de Louvain. Während dieser Zeit schrieb Lessing Die alte Jungfer, Die Misogyne, und eine Sammlung von Gedichten, Naturforscher.

Am Anfang 1749 schickte Lessing einen Brief an seine Eltern. Er schrieb, daß er nicht mehr die Universität besuchte, daß er nicht mehr nach Hause kommen würde, und daß er die finanzielle Belastung seine Eltern nicht zumuten könnte. Er informierte sie auch über seine Beziehung zum Theater. Sein Vater versuchte ihn umzustimmen, so daß er wieder auf die Universität ging. Er schrieb Die Juden, Der Freigeist und fing an, an seinem Traurspiel Samual Henzi zu schreiben. 1750 lernte Lessing Spanisch, Englisch, und Italienisch. Er schrieb Der Schatz und übersetzte andere Werke. Im Dezember 1751 reiste Lessing nach Wittenberg ab, um sein Universitätsstudium zum Abschluß zu bringen. Ende 1752 ging er wieder nach Berlin, um seine Stelle als Redakteur weiterzuführen.

In den nächsten Jahren reiste Lessing hin und zurück, von Leipzig nach Berlin, Berlin nach Hamburg, und wieder von Hamburg nach Leipzig. 1756 ging er dann nach Dresden, um die Kunstschätze dort zu studieren. Während dieser Zeit traf er zufällig seine Eltern in Dresden wieder. Er begleitete sie auf ihre Bitte nach Kamenz. Nach 8 Tagen reiste er nach Leipzig ab. Juni 1757 wurde Lessing in einen Prozeß verwickelt, der sich über 7 Jahre hinzog. Trotz seines Reiseverbots verließ Lessing Leipzig, um seine Arbeit in Berlin wiederaufzunehmen. Im November 1760 flüchtete Lessing von Berlin nach Leipzig, da Berlin von österreichischen und russischen Truppen besetzt war.

Von 1760 bis 1771 wohnte Lessing in Berlin, Leipzig, und Hamburg. Am 22. August 1770 starb Lessings Vater. 1771 verliebte er sich in Eva König. Ende 1771 schrieb er den Rest von seinem Trauerspiel Emilia Galotti (das nach einer römischen Legende geschrieben ist), und am 15. Mai 1772 wurde es in Wien erfolgreich aufgeführt. Im April 1775 trennte er sich von Eva. Lessing schrieb keinen Brief an Eva, obwohl er fünf Briefe von Eva bekam.

Im Januar 1776 besuchte er seine Mutter und seine Schwester, die er seit 11 Jahren nicht gesehen hatte. Am 3. August reiste er nach Hamburg, um Eva König zu besuchen. Im November erkrankte Lessings Mutter schwer, und am 8. März 1777 starb sie. Aber seine Mutter wurde nicht der letzte Mensch in seinem Leben, der bald starb. Im Dezember lag Eva in fast dauernder Bewußtlosigkeit. Ihr Zustand verschlechterte sich, und Lessing hatte nur wenig Hoffnung. Am 10. Januar 1778 starb sie. 1779 schrieb Lessing eines seiner bekanntesten Werke, Nathan der Weise. Dieses Drama zeigt den Menschen, daß man verschiedene Religionen tolerieren sollte. Im November 1780 wurde Lessings Gesundheitszustand schlechter. Am 15. Februar 1781 starb Lessing zwischen 19 und 20 Uhr.

Lessing schrieb mit Leidenschaft. Er wollte die Augen des Bürgertums öffnen. Vor allem schrieb er über religiöse Toleranz. Lessings Stil ist erkennbar und dramatisch. Er ist unvergeßbar und seine Werke werden immer wieder gelesen.


Bibliographie

Insel Verlag. "Chronik zu Lessings Leben," Lessings Leben und Werk in Daten und Bildern. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1967, pp. 177-229.

Microsoft Corporation. "Lessing, Gotthold Ephraim," Microsoft Encarta 96 Encyclopedia. Funk & Wagnalls Corporation, 1993-1996.

Schmidt, Erich. Lessing-Geschichte seines Lebens und seiner Schriften. Vol. I, Weidmannsche Buchhandlung, 1899.

Schmidt, Erich. Lessing-Geschichte seines Lebens und seiner Schriften. Vol. II, Weidmannsche Buchhandlung, 1899.