GER 342: German Literature
Oregon State University
7. März 2000

Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

von Becca Meskimen

Das Leben

Marie von Ebner-Eschenbach, geborene Baronin Marie Dubsky von Trembomyslie, wurde am 13. September 1830 in Zdislawic, die heute ein Teil der Tschechischen Republik ist, geboren. Ihr Vater hiess Baron Franz Dubsky. Ihre Mutter, Marie, geborene Baronin von Vockel, war die Zweite von vier Frauen von Franz Dubsky und starb 1830 gerade nach der Geburt ihrer Tochter. Ebner-Eschenbach hatte sechs Geschwister von den letzten drei Ehen ihres Vaters. Es gibt sehr wenig Informationen über die erste Frau. Ebner-Eschenbach liebte ihre erste Stiefmutter, Eugénie Bartenstein, die im Jahre 1837 starb. Ihre zweite Stiefmutter, Grafin Xaverine Kolowrat-Krakowsky, und Enber-Eschenbach waren auch eng, und sie lebte bis 1869, gerade bevor Ebner-Eschenbachs Vater auch starb.

Viele Leute halfen in Ebner-Eschenbachs Kindheit, sie aufzuziehen: ihre Grossmuter mütterlicherseits, ihre Tante Helene väterlicherseits, tschechische Dienstmädchen, und französische und deutsche Gouvernanten (Steiner 13; Rose 2). Folglich konnte sie Französisch, Tschechisch, und Deutsch, aber Französisch war ihre Hauptsprache, wenn sie dachte oder schrieb (Rose 2-3). Sie lebte auch meistens zwischen zwei Städten. Sommers wohnte sie im Schloss ihrer Familie in Zdislawic, und winters wohnte sie in Wien (Bramkamp 5).

Als sie achzehn Jahre alt war, heiratete sie Moritz von Ebner-Eschenbach. Er war ihr Vetter, der Sohn ihrer Tante Helene, den sie ihr ganzes Leben gekannt hatte, und entweder fünfzehn (Bramkamp 23) oder siebzehn (Wagner) Jahre älter als sie. Er war Feldmarschalleutnant und später Professor in Wien. Nie hatte das Ehepaar Kinder.

Ihr ganzes Leben lang arbeitete Ebner-Eschenbach gegen die Gedanken ihrer Zeit, die sagten, dass nur Männer schreiben sollten. Sie schrieb nicht nur, um genug Geld für ihre Familie zu verdienen, wie andere Autorinnen dieser Zeit. Eigentlich glaubte sie, dass niemand für das Schreiben Geld verdienen sollte, denn Schreiben ohne Geldverdienen würde die Geisteswissenschaften verbessern (Bramkamp 3). Sie schrieb, weil sie inspiriert war zu schreiben. Sie glaubte, dass ihre Schriften ihr helfen könnte, die Gedanken ihrer Zeit zu verändern.

Ebner-Eschenbach publizierte ihre Werke 60 Jahre lang: zuerst viele Dramen, dann auch Erzählungen, Tagebücher, Epiken, Autobiographien, Novellen, usw. Manchmal benutzte sie nur ihr Anfangsbuchstabe M., wenn sie ihre Dramen veröffentlichte, damit die Kritiker nicht wissen konnten, dass sie eine Frau war (Rose 7).

Im Jahre 1889 war sie die erste Frau, die "Medal of Honor for Art and Science" zu erhalten, und 1910 auch die Erste und Einzige, den Ehrendoktortitel von der Wiener Universität zu erhalten (Johns 88; Gutenberg). Nach einem langen Leben starb Marie von Ebner-Eschenbach am 12. Marz 1916 in Wien und wurde in Zdislawic begraben.

Eine Autorin Schaffen

Ihr Vater war zum Teil dafür verantwortlich, dass Ebner-Eschenbach sich für das Theater und Schreiben interessierte (Steiner 19). Ab dem neunten Lebensjahr nahm er sie ins Theater mit. Nachdem sie sich die Stücke angesehen hatte, erfand sie andere Dramen mit Freunden, obwohl sie ihre Stücke nie aufschrieb (Rose 21; Steiner 19). Schon als sie so jung war, wusste sie, dass das Schreiben nur für Männer war (Rose 21).

Xaverine, die zweite Stiefmutter, beeinflusste Ebner-Eschenbachs Interessen, als sie ihr eine Sammlung von Schillers Werken zum zwölften Geburtstag gab. Ebner-Eschenbach las und imitierte Schiller gern (Rose 3; Steiner 21). Aber als ihr Interesse grösser wurde, und als sie immer mehr Zeit brauchte, um zu studieren, hatte ihre Familie, einschliesslich Xaverine, immer weniger Verständnis für ihr Interesse. So bat Xaverine um negative Kritik von einem österreichischen Autoren, Franz Grillparzer. Aber dieser bemerkte das Talent der jungen Autorin. Seine Antwort war sehr einflussreich für Ebner-Eschenbach:

The poems show unmistakable traces of talent. A most fortunate ear for verse, the power of expression, a perhaps overly profound sentiment, insight, and a keen gift for judgment in many of her satirical poems form a talent which elicits interest (Steiner 22). Ebner-Eschenbach bekam Lob auch von Betty Paoli, "a lyricist whose poetry was especially appreciated and even celebrated among women at that time", zu der sie selbst einige Gedichte geschickt hatte (Steiner 23). Später entwickelte Ebner-Eschenbach gute Freundschaften sowohl mit Grillparzer als auch mit Paoli (Stiener 23).

Es ist beachtenswert, dass Moritz, ihr Mann, damals einen Anstoss an der Meinung der Familie nahm (Steiner 21). Bevor sie heirateten, interessierte er sich sehr für ihr Schreiben, und Ebner-Eschenbach lernte viel über Goethe, Schiller, usw. von ihm (Bramkamp 24), aber später wollte auch er, dass sie mit ihrem Beruf aufhört. Er glaubte, dass ihr Interesse ihm Schande machte (Bramkamp 30).

So, wo lag das grosse Problem in Ebner-Eschenbachs Streben? Warum konnten die Familie und auch die Kritiker sie nicht akzeptieren? Zu dieser Zeit war es nicht richtig für eine Frau zu schreiben, besonders für eine, die über die Fehler der Gesellschaft schrieb. Sie schrieb über soziale Konflikte und "examined the role and status of women" (Eigler and Kord 29, 435). Ihre Themen schlossen Vergewaltigung (Die Totenwacht 1894), die Ausbeutung der Kinder (Zwei Contessen 1885), häusliche Gewalt (Maslans Frau 1901), und Untreue (Unsühnbar 1890) ein (Eigler and Kord 107). Sie benutzte ihre Tagebücher, ihr eigenes Selbst, ihren eigenen Erfolg, und ihre eigenen Anstrenungen zu erforschen und ihren Platz auf der Welt zu finden (Eigler and Kord 90). Aber das widersprach dem, was eine Frau machen sollte:

Within the framework of woman's education, private activity, especially an activity that was not other-directed and not contributing to the service of others, was considered selfish, unwomanly and therefore unacceptable (Bramkamp 18). Das Prolem lag auch tiefer: The close relationship between the power of the sword and the pen seems to come into play here. The pen also was an instrument of war, or at least of power, when employed for the public; and such power was exclusively the territory of men (Bramkamp 22). Indem Ebner-Eschenbach schrieb, tat sie, was keine Frau machen sollte.

Ebner-Eschenbach Neu Sehen

Heute sehen mehr Kritiker den Einfluss und die Stärke ihre Schriften. Sie beginnen endlich zu erkennen, dass die älteren Kritiker und Verleger sie ignorierten oder sie wie eine "gentle advocate" oder nur als eine nette, humane, und oberflächliche Frau klassifizierten (Johns 88; Eigler and Kord 438-9). Literatur der Frauen wurde von der Geschichte ausgelassen, weil das System der Klassifizierung und der Interpretation nur die Autoren, keine Autorinnen, benutzte (Eigler and Kord 437). Die meisten Werke, die die Aufmerksamkeit der Kritiker erhielten, "comfirmed their gender biases..." (Eigler and Kord 107). Ebner-Eschenbach zensierte auch ihre eigenen Werke, um in männlichen Kreisen hineinzupassen (Rose 16).

Aber im letzten Jahrzehnt hat sich ein feministischer Ansatz zu dem Studium ihrer Werke entwickelt. Im Gegensatz zu der älteren Kritik erkennen die neuen, wie stark, intelligent, kritisch, humorvoll, und originell sie war. Es gibt viele Beispiele:

She was a novelist who combined acute realistic portrayal with reserved yet unflinching social criticism; at the same time she had compassion, which she extended to animals as well as to human beings. A special feature is her dry sense of humor which, reinforcing her critical stance, could turn into caustic irony (Garland 185).

Moreover, Ebner's sympathetic portrayal of children from their own perspective was new at the time and might mark her as a forerunner of spokespeople for children's rights (Rose 1).

In juxtaposing the nobility with the exploited peasants and villagers, she takes members of her own class to task for forgetting their obligations and holding to empty social conventions (Johns 89).

Obwohl diese neue Kritik wichtig ist, ist sie auch zu wenig. Heute haben wir als StudentInnen eine grosse Gelegenheit, mehr von ihr und andern Autorinnen zu lernen. Jetzt ist es an der Zeit, diese neuen Erkenntisse auszunutzen.
 


Literaturverzeichnis

  1. Agatha C. Bramkamp. Marie von Ebner-Eschenbach: The Author, Her Time, and Her Critics. Bonn: Bovier Verlag, 1990.
  2. Friedrike Eigler and Susanne Kord. The Feminist Encyclopedia of German Literature. Connecticut: Greenwood Press, 1997.
  3. Henry and Mary Garland. The Oxford Companion to German Literature. New York: Oxford University Press, 1997. 185.
  4. Jorun B. Johns. "Marie von Ebner-Eschenbach." Austrian Fiction Writers 1875-1913. Dictionary of Literary Biography. Vol. 81. Ed. Donald Daviau and James Hardin. Detroit: Bruccoli Clark Layman, 1989. 86-94.
  5. "Marie Freifrau von Enbner-Eschenbach" [http://gutenberg.aol.de/autoren/ebnresch.html], Januar 2000.
  6. Ferrel V. Rose. The Guises of Medesty: Marie von Ebner-Eschenbach's Female Artist. South Carolina: Camden House, Inc. 1994.
  7. Carl Steiner. Of Reason and Love: The Life and Works of Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916). California: Adrienne Press, 1994.
  8. Marie Wagner, "Encyclopedia of 1848 Revolutions" [http://cscwww.cats.ohiou.edu/~chastain/dh/ebner.html], Februar 2000.