GER 343: German Literature
Oregon State University
May 30, 2000


Erich Kästner (1899-1974)

von Amanda Waterman


Es gibt etwas faszinierendes an einem Menschen, der von Kindern und Erwachsenen beliebt ist. Dieser Mensch hat die Kreativität und die Fantasie, die man braucht, um die Welt von Kindern zu verstehen, aber er hat auch den Intellekt und die Aufmerksamkeit, die man braucht, um Erwachsene auf der ganzen Welt zu interessieren. Erich Kästner war einer dieser Leute. Er wurde überall auf der Welt wegen seiner Geschichten für Kinder und seiner Schrifte für Erwachsene bekannt. Er war eine Mischung dieser komplexen, interessanten Welten.

Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren. Sein Vater Emil war begabter Sattlermeister, aber musste Arbeiter in einer Kofferfabrik wegen der Industrialisierung in Deutschland werden. Die technischen Fortschritte machten es so, dass er nicht mehr genug Geld verdienen konnte, um seine Familie als selbständiger Handwerker zu ernähren (Enderle 582). Die Mutter von Erich, Ida Amalia, war Näherin, aber später, als sie Schulgeld für Erich brauchte, fing sie an, Friseur-Handwerk zu machen (Enderle 582). Kästner war Einzelkind, und seine Eltern hatten eine unglückliche Ehe. Es ist nicht schwer zu ergreifen, wovon seine Kreativität stammte. Öfters müssen Einzelkinder sich selbst unterhalten, und die Kinder, deren Eltern grosse Probleme haben, versuchen auch manchmal, Traumwelten zu machen. Erich wurde aber sehr gut von seiner Mutter erzogen. Sie hatten miteinander eine nahe Beziehung. Trotz ihrer Geldprobleme versuchte Ida immer etwas interessantes und tolles mit Erich zu machen. Sie gingen oft ins Theater und machten manchmal Radtouren (Enderle 585-6).

Kästner war ein kluger, begabter Junge. 1906 ging er in die Volksschule in Dresden, dann 1913 ging er ins Freiherrlich von Fletchersche Lehrerseminar in Dresden. Ein Volksschullehrer, der bei den Kästners untermietete, überzeugte Erich, dass er auch Volksschullehrer werden sollte. Jahrelang glaubte Erich, dass er Lehrer sein wollte. Dann musste er 1917 zum Militär, wo er so viel strafexerzierte ,,dass ihn ein schweres Herzleiden befiel . . ." (Enderle 584). Dieses Herzleiden war für ihn sein ganzes Leben lang ein Problem. Als Kästner mit dem Heeresdienst fertig war, entschloss er, dass er nicht mehr Lehrer werden wollte, sondern, dass er studieren wollte. 1921 wurde er Hospitant am König-Georg-Gymnasium. Dort wurde er der Beste in allen Fächern ausser Englisch (Enderle 585). Er musste auch sein Kriegsabitur schreiben, und er bestand es so gut, dass er das Goldene Stipendium der Stadt Dresden bekam. Kästner benutzte dies, um an der Universität Leipzig zu studieren. Er konzentrierte sich auf Germanistik, Geschichte, Philosophie und Theatergeschichte. Am Anfang eines Semesters gab ihm seine Mutter 800 Mark, um davon zu leben. Am Ende des Semesters brachte Kästner seiner Mutter 400 Mark zurück (Enderle 587). Er wusste, dass sie es sich gar nicht leisten konnte, und er wollte zeigen, dass er auf einer Weise leben konnte, die nicht so viel kostete. Bald musste Kästner sein eigenes Geld verdienen, weil die Inflation in Deutschland so stark war. Kästner machte viele verschiedene Jobs, um Geld zu verdienen: er trug während der Leipziger Messe Plakate durch die Strassen, er verkaufte Kataloge, er arbeitete bei einem ungarischen Parfümverkaufstand und schliesslich rechnete er die täglichen Aktienkurse in der Buchhaltung der Städtischen Baugesellschaft aus (Enderle 587-8).

1923 fing Kästner an, bei dem Zeitungswissenschaftlichen Institut zu arbeiten. Er hatte schon bei einigen Schulzeitungen gearbeitet, deshalb war er noch einmal ein sehr guter Schüler. Er wurde bald Redakteur der drei Zeitschriften der Verlags der Neue Leipziger Zeitung (Enderle 588). 1927 ging er nach Berlin, wo er für andere Zeitungen arbeitete. Kästners Werke waren satirisch und kritisch, und er kommentierte den Berliner Alltag und die Politik der Weimarer Republik (Lebenslauf 1). Bald danach fing er an, Bücher zu veröffentlichen. Gedichte, die vorher in einzelnen Zeitungen erschienen waren, wurden jetzt zusammen als ein Buch angeboten--Herz auf Taille (1928). Sein grosster Erfolg war Emil und die Detektive (1929), ein Buch für Kinder. Bevor dieses Buch veröffentlicht wurde, war Kästner gut bekannt, aber dieses Buch machte ihn berühmt. Andere Werke von Kästner sind Lärm im Spiegel (1929), Leben in dieser Zeit (1929), Pünktchen und Anton (1930), Fabian (1931) und Das fliegende Klassenzimmer (1933). Kästner schrieb nicht nur Gedichte, sondern auch Romane, Hörspiele, Bühnestücke und später Drehbücher.

Kästner wurde aber gezwungen, eine Pause zu machen. 1933 kam Hitler an die Macht in Deutschland, und er verbot die Werke Kästners. Am 10. Mai 1933 sah er zu, als seine Bücher am Opernplatz in Berlin öffentlich verbrannt wurden. Kästner entschied sich in Deutschland zu bleiben, selbst wenn er unter einem Mikroskop von Hitler beobachtet wurde. Das erste Mal, dass er verhaftet wurde, war 1934. Die Gestapo konnte ihn finden nur, weil sein Name auf dem Bankkont war (Enderle 595). Sie stellten ihm Fragen über seine Werke, dann liessen ihn schliesslich gehen. Noch einmal wurde Kästner im Jahre 1937 von der Gestapo verhaftet. Nach einer Weile wurde er auch dieses Mal freigelassen. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wollte Käster noch in Deutschland bleiben. Er hatte eine Wahl, die einige seiner Schriftsteller-Kollegen nicht hatten, weil er nicht Jude oder Homosexueller, usw. war. Ausser seiner kritischen Schriften hatte man keinen Grund, ihn zu verfolgen. 1943, obwohl er nicht durfte, schrieb Kästner das Drehbuch für den Film Münchhausen. Als Hitler davon hörte, protestierte er gegen Kästner (Enderle 597).

Als der Krieg zu Ende war, schrieb Kästner wieder viel: Der tägliche Kram (1948), Die Konferenz der Tiere (1949), und viele Artikel von 1945 bis 1948. 1946 organisierte er die Jugendzeitschrift Pinguin. Während der nächsten 15 Jahre bekam er viele Preise. 1961 erkrankte er an TBC (Biographie 2), aber erst am 29. Juli 1974 starb er an Speiseröhrenkrebs in München.

Kästner wurde zu der Neuen Sachlichkeit Bewegung gezählt. In seinen früheren Werken wollte Kästner die schlechten Zustände der Gesellschaft zeigen und sie durch sein Schreiben vielleicht ändern. Fabian (1931) hat einen starken Wirklichkeitsbezug. Alle seine Schriften zielten auf die Bürger sowohl Erwachsene als auch Kinder. Und er konnte sie erreichen. Er war ein Mann, der beide Welten verstand. Durch sein Schreiben benutzte er diese Begabung.
 


Literaturverzeichnis

  1. "Erich Kästner Biographie." [http://www.geschichte.2me.net/books/book…sonsWriters/KaestnerErich/kaestner02.htm], 21. April 2000.
  2. Luiselotte Enderle. "Vier Stationen." Gesammelte Schriften. Vermischte Beiträge. Vol. 5. Zürich: Atrium Verlag, 1959. 579-601.
  3. Peter Weiler, "Erich Kästner Kurzer Lebenslauf." [http://www.dabakus,de/k/kaestner-ausstellung/lebenslauf.htm], 21. April 2000.