GER 342: German Literature
Oregon State University
7 March 2000


Adalbert Stifter (1805-1868)

von Amanda Waterman

Man sollte ein glückliches Leben führen. Man sollte als Beruf machen, das was man am liebsten findet. Man sollte die Liebe seines/ihres Lebens heiraten. Das Leben kann nicht immer Leiden heissen, oder? Adalbert Stifter würde uns wahrscheinlich darauf hinweisen, daß alles nicht so einfach ist. Stifter hatte seine Erfolgszeit, aber mehrmals mußte er über Geld, die wahre Liebe und seine eigene Leistung sorgen. Wenn er sein Leben noch einmal leben könnte, . . . .

Stifter wurde am 23. Oktober 1805 in Oberplan im Böhmerwald geboren. Dieser Ort ist jetzt ein Teil der tschechischen Republik, aber zu der Zeit war es in der Österreichischen Monarchie. Seine Familie war überhaupt nicht reich. Sein Vater, Johann Stifter, war als Leineweber traniert worden, aber mußte seinen Beruf ändern. Es gab andere Manufakturen, die Leine billiger produzieren konnten, deshalb konnte Johann mit diesem Beruf nicht genug Geld verdienen, um seine Familie zu unterstützen (Naumann 1). Er wurde dann Flachshändler und betrieb gleichzeitig die Landwirtschaft. Im Jahre 1817 gab es einen schlechten Unfall. Der Vater des zwölfjährigen Adalberts wurde von einem Flachswagen zerquetscht (Gump 14). Jetzt waren Adalberts Mutter und ihre fünf Kinder allein. Adalbert mußte seinem väterlichen Großvater mit der Landwirtschaft helfen, und während dieser Zeit und Arbeit entdeckte Stifter ,,an infinite love for nature and solitude" (Gump 14). Einige Monate später , 1818, schickte sein mütterlicher Großvater Adalbert an die Lateinschule in Kremsmünster, wo er bis 1826 blieb und dort fand er, daß er die Literatur, die Malerei und die Naturwissenschaft sehr gern hatte.

Von da aus ging er nach Wien, wo er bis 1830 blieb, um Jura, Naturwissenschaften und Geschichte zu studieren. Er machte aber keine Abschlußprüfung, als er fertig war. Er versuchte, die Prüfung zu machen, aber bestand sie nicht und wollte sie nicht wiedermachen (Gump 15). Stifter war auch begabter Maler, aber er konnte nicht davon leben. Er dachte, daß er vielleicht eines Tages für den Staat arbeiten würde, aber er erkannte schließlich, daß er lieber Mathematik und Naturwissenschaften studierte (Gump 16). Als er in Kremsmünster war, fing er an, Privatlehrer zu sein, und später in Wien führte er diesen Beruf weiter aus. Sein Interesse für viele verschiedene Fächer machte ihn als Privatlehrer unter der Aristokratie populär (Gump 16). Auf dieser Weise lernte Stifter viele aristokratische Freunde kennen, und er verdiente genug Geld, um in einfachen Verhältnissen zu leben.

Die Liebe Stifters Leben war eine Frau, die Fanny Greipl hieß. Adalbert versuchte ihre Hand zu gewinnen, aber ihre Eltern hatten von Stifter keinen guten Eindruck (Gump 16). Er hatte keine feste Arbeit und seine Zukunft schien nicht sehr aussichtsreich zu sein. Dann lernte Stifter eine andere Frau kennen, die außerordentlich schön war (Gump 17). Sie hieß Amalia Mohaupt und stammte aus einer armen Familie. Weil Stifter zusammen mit Amalia war, während er Fanny noch liebte, fühlte er sich sehr schuldig, und er schrieb noch einen Brief an Fanny, in dem er sagte, daß er wirklich mit ihr sein wollte (Gump 17). Er hörte nie wieder von Fanny, und 1837 heiratete Stifter Amalia.

1840 wurde Stifters erstes Werk, Der Condor, publiziert, und es war sehr erfolgreich. Während der nächsten acht Jahre publizierte Stifter viele Werke. Eine Sammlung seiner früheren Erzählungen wurde Studien genannt (Lexikon 1). Unter anderem gibt es in Studien Das Heidedorf (1840), Die Mappe meines Uhrgroßvaters (1841), Der Hochwald (1842), Brigitta (1843) und Abdias (1843). Andere Werke, die später fertig wurden, waren Der arme Wohltäter (Kalkstein) (1848), Bunte Steine (1853), Der Nachsommer (1857) und Witiko (1865-1867). Am Anfang von Stifters literarischem Erfolg verstand er sich an erster Stelle als Maler und nur an zweiter Stelle als Dichter, aber später im Jahre 1860 konnte man sehen, daß er seine Meinung geändert hatte (Gump 13). Er hatte den größten Teil seines Werkes schon geschrieben, und er fing an, sich Sorgen darüber zu machen. Es klingt, wie der stereotypische, melodramatische, leidende Dichter, aber es zeigt wirklich, wieviel Leidenschaft für seine Arbeit Stifter hatte.

Stifter und seine Frau zogen im Jahre 1849 von Wien nach Linz, wo Adalbert 1850 ,,zum Schulrat (Landesschulinspektor) für die Volksschulen in" Oberösterreich ernannt wurde (Lexikon 1). Er genoß seine neue Arbeit, aber nach einigen Jahren erkannte er, daß er keine Zeit hatte, um zu schreiben oder andere Hobbys, wie Malen, zu machen (Gump 20). Er wurde immer unglücklicher: er hatte finanzielle Probleme; er wollte nicht mehr Schulrat sein, aber er brauchte das Geld; er war in einer kinderlosen Ehe mit einer Frau, in die er nicht ganz verliebt war; und er hatte keine Zeit zu machen, was er am liebsten genoß. Noch dazu kam, daß viele Leute, die ihm am Herzen lagen, starben: 1846 starb ein junger Freund, 1849 beging seine adoptierte Tochter Selbstmord, und eine Verwandte starb wegen Tuberkulose, 1857 und 1862 starben zwei der Kinder seines Bruders, und 1858 starb seine Mutter. 1862 starb sogar sein Hund.

Schließlich wurde Stifter selbst an Krebs, Leberzirrhose oder Tuberkulose sehr krank. Man weiß heute nicht, ob er an allen Krankheiten oder nur einigen erkrankt war. Man weiß auch nicht, ob er geisteskrank war oder nicht. Zwei Tage, bevor er starb, schnitt Stifter sich selbst am Hals, aber als er am 28. Januar 1868 starb, war es wahrscheinlich nicht wegen dieses kleinen Schnittes, den der Arzt zugenäht hatte (Gump 22). Zu der Zeit war er auf jeden Fall sehr krank und schwach.

Stifter gehört zur Literaturbewegung Biedermeier. Diese Bewegung dauerte von 1815 bis 1848. Die meisten von Stifters Schriften hatten sehr detaillierte Beschreibungenódas beobachtete Phänomen,ó wofür er berühmt war (Ideenmagazin 6). Er war nicht nur Maler, ,,er zeichnet [auch] mit Worten" (Ideenmagazin 2). Seine Erzählungen handeln oft von der Natur, und sie sind in einer einfachen Sprache geschrieben. Zum Beispiel, seine Mutter, ,,a woman without much formal education, was able to understand his works perfectly and effortlessly . . ." (Gump 14). In einem Brief, der viel zitiert wird, macht Stifter den Lesern darauf aufmerksam, daß er ,,a man of moderation" war (Gump 19). Er glaubte auch, ,,[d]er Einzelne darf nicht zum Vehikel gesellschaftlicher Interessen verkümmern . . ." (Ideenmagazin 4). Wie die anderen Biedermeier SchriftstellerInnen trat Stifter meistens von politischen, revolutionären Sachen zurück, aber später in seinem Leben zeigte er ein bißchen Begeisterung für die Industrielle Revolution.

Stifter war erfolgreich, aber nur kurz. Er war im Großen und Ganzen ein unglücklicher Mann. Man muß sich überlegenówas würde Stifter ändern, wenn er es noch einmal zu tun hätte?


Literaturverzeichnis

  1. "Adalbert Stifter." [http://gutenberg.aol.de/autoren/stifter.htm], 26. Januar 2000.
  2. Margaret Gump. Adalbert Stifter. New York: Twayne Publishers, Inc., 1974.
  3. Ideenmagazin. "Zur Entwicklung von Werten bei Adalbert Stifter." [http://www.reschke.de/ideenmagazin/stifter.htm], 26. Januar 2000.
  4. Ursula Naumann. Adalbert Stifter. Stuttgart: J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, 1979.
  5. Österreich-Lexikon. "Stifter, Adalbert." [http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.s/s861730.htm], 26. Januar 2000.